Effizienz und Sicherheit der intravenösen Fentanyl-Gabe durch Rettungsassistenten

Spätestens seit der Veröffentlichung des Pyramidenprozess müssen sich angehende Notfallsanitäter noch intensiver mit Medikamenten beschäftigen. Dass dabei auch oft die Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen mitschwingt ist kein Geheimnis. Vor allem hoch-potente Medikamente, wie sie regelhaft in der Notfallmedizin eingesetzt werden (wir sind halt keine Hausärzte im Rettungsdienst), sorgen oft für ein mulmiges Gefühl bei der Anwendung.

Eine Studie aus Dänemark hat die Anwendung von Fentanyl zur Analgesie durch Rettungsassistenten untersucht und dabei die Effizienz und das Auftreten von Nebenwirkungen untersucht.

Efficacy and safety of intravenous fentanyl administered by ambulance personnel
Acta Anaesthesiol Scand. 2015 Nov 27. (PMID: 26612100)

Opiate gehören zu den potentesten Analgetika und werden bei starken bis stärksten Schmerzen aber auch beim ACS eingesetzt. Auch Notfallsanitäter sollen den Umgang mit Analgetika sicher beherrschen. Dabei lässt der Pyramidenprozess offen welches Opiat zu Anwendung kommen soll.

Wie alle Medikamente besitzen auch Opiate ein deutliches Nebenwirkungsprofil. Dies reicht von einfachem Schwindel und Übelkeit bis hin zur Hypotonie und Atemdepression. Aber wie oft kommen Nebenwirkungen eigentlich in der täglichen „Routine“ vor? Dieser Frage ist eine Forschungsgruppe aus Dänemark nachgegangen.

Dazu wurden in der Region Mittel-Dänemark 324 Rettungsassistenten im Umgang mit Fentanyl geschult. Laut Protokoll konnten die RA’s einen maximalen Bolus von 1 µg/kgKG verabreichen und bei Bedarf nach 5 Minuten einen weiteren Bolus. Die Obergrenze lag für jeden Patienten bei 2 µg/kgKG. Eingeschlossen wurden alle erwachsenen Patienten mit Schmerzen, unabhängig davon ob es sich um pectanginöse Beschwerden, abdominale Schmerzen oder Verletzungen handelt.

Während der 6-monatigen Studienperiode wurden insgesamt 2348 Patienten mit Fentanyl behandelt. Dadurch konnte das Schmerzniveau von im Mittel 8 (7-9) auf im Mittel 4 (3-6) bei Krankenhausaufnahme gesenkt werden.

Bei 21 Patienten (0,9%) kam es zu einem Sättingsabfall auf unter 90%, 31 Patienten (1,3%) zeigten eine Vigilanzminderung und 71 Patienten (3,0%) eine Hypotonie.

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Fazit:
Die Anwendung von Fentanyl führte bei den behandelten Patienten zu einer deutlichen Reduzierung der Schmerzen (im Mittel um 3 Punkte auf der Schmerzskala). Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass ein respektvoller Umgang mit Fentanyl durch geschultes Personal sicher ist und nur in seltenen Fällen unerwünschten Nebenwirkungen auftreten. Um dies zu gewährleisten müssen zukünftige Notfallsanitäter im richtigen Umgang mit den entsprechenden Medikamenten und in der Behandlung von unerwünschten Nebenwirkungen geschult werden.

 

Anmerkung in eigener Sache:
Notärzte können diese Ausbildung massiv unterstützen, indem sie Rettungsassistenten und angehenden Notfallsanitätern die Möglichkeit geben im sicheren Umfeld der Anwesenheit des Notarztes mehr und mehr mit Medikamentengabe zu arbeiten. Fragt doch einfach mal nach den häufigsten Nebenwirkungen eines Medikaments und was der RA bei evtl. auftretenden Komplikationen machen würde. Ob es zumindest einen Konzept gibt, oder einen Plan B..

Nur wer auch die Nebenwirkungen und Komplikationen von Maßnahmen beherrscht, kann entspannt therapieren…