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Übung macht den Meister – Auch beim Intubieren

Written by sb

Wer in Deutschland die Fachkunde Rettungsdienst erlangen will muss einen Nachweis über 25 durchgeführte endotracheale Intubationen erbringen. Aber ist dies wirklich genug?  Eine nicht mehr ganz so aktuelle Studie hat sich seiner Zeit dieser Fragestellung angenommen und interessante Ergebnise geliefert, die wir an dieser Stelle nochmal vorstellen wollen.

Developing the skill of endotracheal intubation: implication for emergency medicine
Bernhard M, Mohr S, Weigand MA, Martin E, Walther A
Acta Anaesthesiol Scand. 2012 Feb;56(2):164-71. (PMID: 22060976)

Michael Bernhard von der Uniklinik Leipzig hat seiner Zeit eine Studie über die Entwicklung der Erfolgsrate beim Intubatieren durchgeführt. Obwohl die Studie bereits 2012 erschienen ist und unter Anästhesisten gut bekannt ist, kennen nur wenige Notärzte die Ergebnisse dieser Untersuchung.

Ziel der Untersuchung war die Darstellung der Lernkurve bei der Durchführung von 200 Intubationen. Hierzu haben Berhanrd und sein Team insgesamt 21 Erst-Jahres-Assistenzärzte der Anästhesie begleitet.

Mindestanforderung 25 ETI für Fachkunde Rettungsdienst:
Dabei zeigte sich zunächst, dass die von den Ärztekammern für die Fachkunde Rettungsdienst geforderten 25 Intubation im Mittel erst nach 15.6 ± 3.0 Tagen (also nach 3 Wochen) „Anästhesiepraktikum“ erreicht werden. Einige Tage morgens in die Anästhesie mal reinschauen zum intubieren reichen hier bei weitem nicht aus um die Mindestanforderungen zu erfüllen.

Lernkurve:


Intubationserfolg beim 1. Intubationsversuch


Intubationserfolg mit allen Intubationsversuchen

Ergebnisse:
Nach den ersten 25 Intubationen nahm die Erfolgsrate mit zunehmenden Intubationserfahrung kontinuierlich zu und erreichte bei ca. 150 Intubationen ein Maximum. Selbst mit dieser Erfahrung und mehreren Versuchen konnten nur 95% der Patienten erfolgreich intubiert werden, sodass jede 20. Intubation von einem erfahrenen Facharzt durchgeführt werden musste.

Fazit:
Ein reinschnuppern in die Anästhesie zum erlernen der Intubation reicht keienesfalls aus um die von den Ärztekammern geforderten 25 Intubationen zu erreichen. Um ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten ist eine Erfahrung von mindestens 150 Intubation notwendig. Selbst mit dieser Erfahrung lassen sich 5% der Patienten (jeder 20igste) nicht intubieren. Es wäre wünschenswert, wenn die Ärztekammern ihr Vorraussetzungen bzgl. Intubationserfahrung der aktuellen Datenlage anpassen würden. Oder anders: Wer nicht genügend Erfahrung im Intubieren hat (150 Intubationen = 6 Monate Anästhesie) und nicht regelmäßig sein Können trainiert (50 Intubationen pro Jahr = 1 mal pro Woche) hat nicht ausreichend Erfahrung um im Notfall routiniert zu intubieren. Probieren kann man es, dann aber richtig mit Kapnographie! Jeder sollte seine Grenzen kennen und im Zweifel lieber auf alternative Atemwegshilfen zurückgreifen. Es ist keine Schande etwas nicht zu können, aber es ist tragisch wenn ein Patient wegen Hypoxie verstirbt, nur weil man meint, der Tubus ist die einzige Möglichkeit zur Atemwegssicherung.

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