Intensivmedizin

Dilatative Tracheotomie – …das verschiebe nicht auf morgen

Written by md

Der Wert der dilatativen Tracheotomie in der Reduktion der Gesamtmortalität, der beatmungsfreien Tagen und der Reduktion von noskomialen Pneumonien ist klar. Aber ist sie eine Intervention, die aufgrund möglicher Komplikationen über Tage erwogen oder möglichst früh druchgeführt werdem sollte? Eine (erneute) Meta-Analyse der bestehenden Daten geht der Frage auf den Grund.


Timing of tracheotomy in ICU patients: a systematic review of randomized controlled trials.
Crit Care. 2015 Dec 4;19:424.

Das Team von Jean-Louis Vincent wiederholt darin eine Untersuchung die 2011 in der Chest veröffentlicht wurde. Die Daten aus den 12 eingeschlossenen Studien mit insgesamt 2689 Patienten wurden in drei verschiedene Früh-Spät Kategorien miteinander verglichen.

Früh Spät
Kategorie 1 <4 Tage >10 Tage
Kategorie 2 <4 Tage >5 Tage
Kategorie 3 <10 Tage >10 Tage

Die Ergebnisse für die Verringerung der kurz (28-Tage, 30-Tage, Intensivaufenthalt) wie langfristigen (1-Jahr, 6-Monate, Krankenhaus) Mortalität erreichten dabei Signifikanz.
Kurzfristige Mortalität a), langfristige Mortalität b)

Das relative Sterberisiko wurde um rund 20% gesenkt.
Dieser Effekt ist wahrscheinlich auf die deutlich verkürzte Sedierungs- und Beatmungsdauer zurückzuführen.

Wurden Patienten über alle Studien hinweg in die frühen Gruppen eingeschlossen, so wurde auch deutlich öfter Tracheotomiert. Es gibt also Patienten, denen durch das Zuwarten die Prozedur erspart geblieben ist. Über die Häufigkeit von interventoinsbedingten Komplikationen finden sich keine Angaben. Sie treten in der Zusammenschau offensichtlich gegenüber den überlebensverbessernden Effekten der Tracheotomie in den Hintergrund. Und auch die im Vergleich ja vorhandenen „unnütz“ tracheotomierten Patienten machen den statistischen Gesamteffekt nicht schlechter!

 


In der Diskussion weisen die Autoren auf die Patientengruppe der neurologisch/neurochirurgische Patienten hin (Schädel/Hirn- oder Wirbelsäulentrauma, großer Schlaganfall) hin, die in besonders hohem Maße von der frühen Tracheotomie profitieren.
Blickt man also retrospektiv auf unsere Patienten, so wäre es immer besser diese, wenn sie denn tracheotomiert wurden, schon vor dem vierten Tag versorgt zu haben.
Blicken wir prospektiv auf unseren nächsten Patienten, dann sollten wir, wenn wir die Tracheotomie erwägen, sie auch sofort durchführen.
Fazit:
Mit der dilatativen Tracheotomie ist es wie mit vielen Dingen im Leben: Wenn wir schon darüber nachdenken, dann auch direkt durchführen. Ein Hinauszögern hat sicher keinen Vorteil.

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