Notfallmedizin

Feuerwehrleute im Einsatzdienst haben ein höheres Risiko für das Entstehen von Herzinfarkten

Written by sb

Kardiovasukläre Ereignisse sind die führende Todesursache unter Feuerwehrleuten. Sie sind für ingesamt 45% der Todesfälle während des Dienstes verantwortlich. Vor allem während des Einsatzdienstes ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines tödlichen Myokardinfarkts um bis zu 136-mal erhöht. Eine aktuelle Studie aus England hat sich nun dieser Problematik angenommen und zeigt Risiken auf, die für ein Umdenken bei der rettungsdienstlichen Betreuung von Einsatzpersonal sorgen kann/soll.

Fire Simulation and Cardiovascular Health in Firefighters
Hunter AL, Shah AS, Langrish JP, et al.
Circulation. 2017 Apr 4;135(14):1284-1295 (PMID: 28373523)

Dass Feuerwehrleute während des Einsatzes unter enormen Belastungen stehen ist nichts neues. Dass diese Belastung zu einem bis zu 136-mal höheren Risiko für das erleiden eines tödlichen Herzinfarktes führt ist ebenfalls nicht neu, aber wahrscheinlich vielen nicht bewusst. Dabei steigt das Risiko besonders während Einsätzen unter Atemschutz. Warum dies so ist haben Forscher der Universität Edinburgh nun untersucht.

Hierzu hat die Forschungsgruppe um Amanda Hunter 19 (16 Männer) gesunde Feuerwehrleute mit einem mittleren Alter von 41 ± 7 Jahren vor und nach einer Brandsimulation untersucht. Augenmerkt der Studie lag besonders auf der Veränderung der Gerinnung, dem Blutfluss und des t-PA (tissue-type plasminogen activator).

Brandsimulation
Die Brandsimulation erfolgte am Scottish International Fire Training Center in Edinburgh und dauerte im Mittel 20 Minuten 22 Sekunden (Range: 19 min 42 s – 21 min 6 s). Neben der Brandbekämpfung umfasste die Simulation das Retten eines 80kg-schweren Dummys. Bei einer max. Raumtemperatur von 406,2 ± 13,5°C erhöhte sich die Körperkerntemperatur der Probanden von 37,4 ± 0,1°C auf 38,4 ± 0,1°C. Das Körpergewicht reduzierte sich um 0,46 ± 0,14 kg.

Ergebnisse
Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte sich nach der Brandsimulation eine deutlich gesteigerte Thrombus-Bildung mit erhöhter Plättchen-Monozyten-Aggregation. Die gleichzeitig durchgeführte Doppler-Untersuchung zeigte eine Verringerung des Blutflusses im Unterarm.

Im EKG zeigten sich während der Brandsimulation ST-Strecken-Senkung von bis zu 0,36 mV (Abl. II)

Fazit
Mit ihrer Untersuchung zeigen Amanda Hunter und ihre Kollegen erstmals eindrucksvoll die physiologischen Veränderungen während einer 20-minütigen Hitzeeinwirkung. Die Ergebnisse der Forschungsgruppe legen nahe, dass die Kombination aus vermindertem Blutfluss und erhöhter Thromboseneigung die hauptsächlich für das erhöhte Infarkt-Risiko verantwortlich sind. Besonders die Tatsache, dass dies auch bei jungen und gesunden Probanden auftritt gibt Anlass zur Besorgnis.
Feuerwehrleute im Brandeinsatz haben ein besonders hohes Risiko für das Entstehen von Myokard-Ischämien und sollten deshalb nach dem Einsatz entsprechend betreut und ggf. überwacht werden. Aufgrund der vorliegenden Daten sollten Rettungsdienste sensible für das Auftreten möglicher kardialer Durchblutungsstörungen bei Feuerwehrleuten nach einem Brandeinsatz sein. Vor allem erste oder leichte Anzeichen eines akuten Koronarsyndroms sollten ernst genommen werden und klinisch abgeklärt werden.

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