Notfallmedizin

Reanimation im Krankenhaus – Erst mal Intubieren? Eher nicht!

Written by md

Es kommt zur Reanimation im Krankenhaus. Der Patient hat noch keine Atemwegssicherung. CPR beginnt, soll ich direkt den Atemweg durch Intubation sichern? Nein sagen die Autoren der American Heart Asscociation! Sie untersuchten anhand der Daten ihres „Get With The Guidelines – Resuscitation“ Registers den Zusammenhang zwischen Intubation und Überleben.

Die ersten Minuten einer Reanimation sind auch für gut gedrillte Teams eine Herausforderung. Je nach Situation ist in möglichst kurzer Zeit ein Arbeitsfeld zu schaffen, ein Kammerflimmern zu defibrillieren, eine Asystolie über den geschaffenen Zugang mit Adrenalin zu behandeln, eine Anamnese zu erfahren, eine Versorgungs– und Transportlogistik zu schaffen, weitere Kolleginnen und Kollegen, Behandler und Vorgesetzte zu informieren, ggf. anwesende Angehörige oder Bystander zu betreuen. Dies alles unter unbedingt kontinuierlicher und möglichst nicht unterbrochener, hochwertiger CPR. Ach ja, dazu gehört auch eine Zufuhr von Sauerstoff in die Lungen und die Verhinderung einer Aspiration. Also doch direkt erstmal intubieren?

Aus dem Register, ähnlich dem deutschen Reanimationsregister, wurden retrospektiv Reanimationen an 108.079 erwachsenen Patienten aus 668 verschiednen Krankenhäusern untersucht. Insgesamt überlebten 24.256 Patienten (22.4%) bis zur Krankenhausentlassung.

Von den 71.163 Patienten, die in den ersten 15 Minuten intubiert wurden (66,3%), wurden 43.314 Patienten mit einem Patienten „gematched“, der nicht in der gleichen Minute intubiert wurde.

Ergebnis: Die intubierten Patienten überlebten seltener!

Gruppe Überleben
Intubiert 7052 von 43.314 (16.3%)
Nicht-Intubiert 8407 von 43.314 (19.4%)
RiskRatio [RR] = 0.84; 95% CI: 0.81-0.87; P < .001

Aggressiv ausgedrückt: Die Sterblichkeit hätte sich um 16% senken lassen, wenn andere Dinge als die Intubation im Vordergrund gestanden hätten.

Dies ließ sich über alle untersuchten Subgruppen reproduzieren.

 

 

Wohlgemerkt: Hierbei handelt es sich um retrospektive Registerdaten. Sie hinterfragen nicht, warum ein Patient intubiert wurde oder warum grade nicht. Wurde er intubiert, weil genügend Team-Mitglieder mit benötigten Skills vor Ort waren? Wurde er aus Verzweiflung oder als Übersprungshandlung intubiert? Oder grade nicht, weil die Situation dem Kliniker grade aussichtslos erschien, oder nur ein inhaltlich oder zahlenmäßig unzureichendes Team bereit stand?

 

Fazit:

Die vorliegende Studie schließt den Nutzen einer Intubation während der ersten 15 Minuten einer Reanimation nicht sicher in jedem Fall aus, ein grundsätzlicher Vorteil wohnt ihr aber offensichtlich nicht inne.

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