Intensivmedizin Notfallmedizin

Niedrige Blutdruckziele bei der Hirnblutung verbessern nicht das Outcome

Written by md

Den Blutdruck bei der akuten intrazerebralen Blutung zu senken gehört schon zur präklinischen Therapie. Die noch aus dem Jahr 2008 stammende Leitlinie empfiehlt die Senkung um nicht mehr als 20%, das Update von 2012 ein Ziel von unter 140mmHg. Das muss nicht, ein Ziel von 140-180mmHg reicht, sagen die ATACH-2 Untersucher.


Intensive Blood-Pressure Lowering in Patients with Acute Cerebral Hemorrhage.
N Engl J Med. 2016 Jun 8.
Die S1-Leitlinie aus dem Jahr 2008 sah noch für Hypertoniker eine Blutdrucksenkung unter 180mmHg, für nicht Hypertoniker unter 160mmHg um rund 20% des Ausgangswertes vor. In ihrer Überarbeitung 2012 wurden schon die Daten der ATACH-1 Studie und anderer Arbeitsgruppen mit einbezogen. Insbesondere in der INTERACT Studie schien sich anzudeuten, dass eine Senkung auf 140mmHg das Volumen der Blutung reduzieren könnte.

Nun bringt ATACH-2 etwa mehr Klarheit. Randomisiert und prospektiv im Studiendesign, wurden 1000 Patienten eingeschlossen. 500 in eine Standardtherapie-Gruppe mit einem Blutdruck-Ziel von 140-179 mmHg, 500 in eine Interventions-Gruppe, für die ein Ziel von 110 bis 139 mmHg systolisch gefordert wurde. Als Antihypertensivum war fest Nicardipin vorgesehen.
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Bei vergleichbaren Patientenkollektiven unterschieden sich die Gruppen in den de facto erreichten Blutdruckwerten deutlich
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Keine Unterschiede gab es jedoch im Outcome.
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Auch im Ausmaß der Leistungseinschränkung, wie üblich gemessen anhand der Rankin Skala, gab es keine Unterschiede

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Fazit

Die Senkung des Blutdruckes niedriger als bis 140 mmHg erscheint nicht sinnvoll. Es ist anzunehmen, dass eine Verringerung des Blutungsareales nicht zu einer Outcome-Verbesserung führen kann, wenn der Perfusionsdruck zu stark sinkt.

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