Intensivmedizin Notfallmedizin

Amiodaron oder Lidocain verbessern das Überleben beim Kreislaufstillstand weniger stark als bisher angenommen

Written by sb

Gerade erst sind die neuen Leitlinien mit den Empfehlungen des ERC erschienen, da kommt schon die nächste große Nachricht: Amiodaron oder Lidocain sollen keinen signifikanten Vorteil für das Überleben bei Kreislaufstillstand haben!

Amiodarone, Lidocaine, or Placebo in Out-of-Hospital Cardiac Arrest
N Engl J Med. 2016 Apr 04 (DOI: 10.1056/NEJMoa1514204)

Die Anwendung von Antiarrhythmika während der Reanimation ist weit verbreitet und in den weltweiten Reanimations-Leitlinien verankert. Dennoch hat sich jetzt eine Forschergruppe um P.J. Kudenchuk aus Seattle, USA mit der Frage beschäftigt ob die Verabreichung von Amiodaron oder Lidocain überhaupt zu einem besseren Outcome führt.

Hierzu haben die Forscher im Zeitraum von 2012 bis 2015 von insgesamt 37.889 Reanimationen, 3.026 Patienten in ihre Studie einschließen können. Das häufigste Ausschlusskriteriam der über 30.000 Patienten war das Fehlen eines Kammerflimmerns oder einer Ventrikulären Tachykardie zur Anwendung von Antiarrhythmika. In die Studie eingeschlossene Patienten wurden in 3 Gruppen aufgeteilt und erhielten verblindet Amiodaron, Lidocain oder normale Kochsalzlösung.

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Nach Auswertung der Daten konnten die Forscher zeigen, dass sich das Überleben in den einzelnen Gruppen nicht-signifikant Unterscheidet: Amiodaron (24.4%), Lidocain (23.7%) und Placebo (21.0%). Der Vorteil von Amiodaron gegenüber Placebo (3,2%) ist dabei nicht signifikant (p=0.08).

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Fazit:
Auch wenn Amiodaron und Lidocain ein leicht besseres Überleben als Placebo aufwiesen, ist dieser Effekt in der Vorliegenden Studie nicht signifikant. Die Ergebnisse lassen darauf schließen dass Amiodaron zwar einen gewissen Vorteil gegenüber einer Placebo hat, dieser Effekt aber deutlich geringer als bisher angenommen ist. Amiodaron kann und soll deshalb auch weiterhin während der Reanimation beim vorliegen entsprechender EKG-Bilder eingesetzt werden.

Ein Kommtar im NEJM reflektiert die Ergebniss der Studie mit der Frage: Außerklinischer Kreislaufstillstand – Sind Medikamente immer eine Lösung?

 

 

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