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Hyponatriämie bei Ausdauersportlern

Written by sb

Sport gehört für viele zum täglichen Alltag. Dass Sport neben positiven Einflüssen auch durchaus negative Auswirkungen haben kann ist dabei nichts neues. Vor allem bei Ausdauersportarten wird immer wieder die Elektrolytverschiebung durch Schwitzen und übermäßige Flüssigkeitsaufnahme diskutiert. Eine aktuelle Untersuchung aus Deutschland hat sich nun mit den Veränderungen des Natrium-Haushalts während des Ironman beschäftigt und liefert interessante Ergebnisse für die notärztliche Versorgung von Ausdauerathleten.

Hyponatremia among Triathletes in the Ironman European Championship
N Engl J Med. 2016 Mar 10 (PMID: 26962745)

Um dem Einfluss von Sport auf den Natrium-Haushalt nachzugehen hat das Forschungsteam um Matthias Danz Triathleten nach erfolgreicher Beendigung des Ironman (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen) untersucht. Zwischen den Jahren 2005 und 2013 haben die Forscher insgesamt 1089 Athleten (932 Männer, 157 Frauen) auf das auf das Vorliegen einer Hyponatriämie untersucht. Die mittlere Wettkampfzeit aller Athleten lag dabei bei 12:39 ± 1:59 Stunden.

Von den 1089 Triathleten wiesen 115 (10,6%) eine Hyponatriämie auf. Bei 95 (8,7%) handelte es sich um eine milde, bei 17 (1,6%) um eine schwere und bei 3 (0,3%) um eine kritische Form. Bei den 3 kritischen Fällen betrug der Natriumgehalt 120, 119 und 111 mmol/L (Normwert: 135-148 mmol/L).

Eine Analyse der Daten zeigten, dass die Hyponatriämie vor allem bei Sportlern mit längeren Wettkampfzeiten und bei Frauen auftrat. Vor allem die kritischen Hyponatriämien zeigten sich zwischen der 12. und 14. Stunde nach Start.

Ursachen:
Ursache für die Entwicklung einer Hyponatriämie ist dabei nach Ansicht der Forscher nicht nur der Salzverlust sondern die übermäßige Aufnahme von natriumarmen Wassers während des Wettkampfs. Eine Studie aus den USA konnte zeigen, das Marathonläufer aufgrund der Flüssigkeitsaufnahme nach dem Wettkampf ein höheres Gewicht aufwiesen als vor dem Start.

Folgen:
Dabei kann eine sich rasch entwickelnde Hyponatriämie zu einem schweren Hirnödem mit Kopfschmerzen, epileptischen Anfällen oder Koma führen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer dauerhaften Schädigung des Hirns durch erhöhten intrakraniellen Druck (wie zuletzt beim Ironman 2015 in Frankfurt geschehen). Vor allem die frühzeitige Erkennung der Hyponatriämie und die rasche Einleitung einer entsprechenden Therapie (Anhebung des Natriumspiegels, Senkung des Hirndrucks) kann dauerhafte Schäden vermeiden.

Fazit:
Betreuer von Sportevents mit Ausdauersportarten (Marathon, Radrennen, Triathlon) sollten sich mit dem Krankheitsbild der Hyponatriämie vertraut machen. Patienten mit neurologischen Symptomen gelten bis zum Beweiß des Gegenteils immer als hyponatriäm und sollten entsprechend engmaschig kontrolliert werden. Eine Blutgasanalyse vor Ort bietet die Chance eine frühzeitigen Diagnose und der raschen Einleitung einer entsprechenden Therapie.

Tip:
Rettungsdienste sollten bei der Betreuung solcher Sportevents entsprechende Ausrüstung zur Behandlung von schweren Hyponatriämien und Hirnödemen vorhalten. Bis zu seiner Abschaffung war HyperHAES mit seinem sehr hohen NaCl-Anteil und der hyperosmolaren Wirkung ein ideales Medikament zur Behandlung von akutem intrakraniellem Druck bei Hirnödem. Seit dem Wegfall sehen viele notärztliche Arbeitsgemeinschaften NaCl 10% als eine mögliche Alternative zur hyperosmolaren Therapie an. Eine weitere Therapieoption stellt Mannitol dar. Als Osmodiretikum wird es erfolgreich zur Therapie von hohem intrakraniellen Druck eingesetzt und sollte bei solch einem Sportevent vorhanden sein (je nach Event reichen 2-4 Falschen aus).

 

 

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