Notfallmedizin

Einfluss der Wohnlage auf das Überleben eines Kreislaufstillstandes

Written by sb

Mein Haus – mein Auto – mein Boot … sag mir wo du wohnst und ich sage dir ob du einen Kreislaufstillstand überlebst. Ob das wirklich geht haben Forscher aus Kanada in einer Studie untersucht. Ziel ihrer Forschung war dabei der Zusammenhang zwischen der Wohnetage in Hochhäusern und dem Überleben von Kreislaufstillständen. Die Ergebnisse sind sicher nicht überraschend aber dennoch interessant.

Out-of-hospital cardiac arrest in high-rise buildings: delays to patient care and effect on survival
CMAJ. 2016 Jan 18 (PMID: 26783332)

Wer kennt es nicht? Der Status 4 ist schon gedrückt aber der eigentliche Einsatzort ist noch lange nicht erreicht. Wir stehen vor einem Hochhaus, auf dem Einsatzprotokoll steht 8. OG und am Eingang zum Haus prankt für alle gut sichtbar die Nachricht des Tages:

aufzug

Gut dass medizinische Ausrüstung fast kein Eigengewicht hat:
– Oxylog 3000 (5,8 kg)
– Corpuls 3 (6,3 kg)
– Accuvac Basic (5,4 kg)
– Notfallrucksack (ca. 7 kg)

Bisher haben wir an dieser Stelle nur an uns gedacht, und uns gefragt warum wir diesen Beruf überhaupt machen, warum Menschen unbedingt immer oben wohnen wollen, und warum ich auch noch heute morgen extra eingesprungen bin, obwohl ich eigentlich frei habe.

Aber wie sieht es mit den Menschen aus zu denen wir wollen? Ist weit oben wohnen wirklich so gut? Zumindest für das Überleben? Dieser Frage sind Ian Drennan und seine Kollegen aus Toronto (und die haben da eine menge hoher Hochhäuser) nachgegangen. Sie analysierten im Zeitraum zwischen Januar 2007 und Dezember 2012 insgesamt 7842 Rettungseinsätze bei Patienten mit Kreislaufstillstand. 5998 (76.5%) der Einsätze erfolgten unterhalb der 3. Etage, während 1844 (23.5%) der Einsätze auf der 3. Etage oder höher passierten.

Drennan konnte zeigen, dass die mittlere Wegezeit vom abgestellten Rettungsmittel zum Einsatzort mit steigender Höhe deutlich anstieg. Im mittel wurden Patienten in den niedrigen Stockwerken nach 3.0±2.0 Minuten erreicht, wohingegen es in den höheren Etagen 4.9±2.6 Minuten dauerte. Demzufolge verringerte sich das Vorliegen eines schockbaren Rhythmus im ersten EKG von 19.0% auf 13.3%. Auch die Rate eines wiedereinsetztenden Spontankreislaufs sankt von 29.0% auf 25.9%.

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Das Überleben (Krankenhausentlassung) lag auf den unteren 2 Etagen bei 4.2% und auf den Etagen darüber bei 2.6%. Ab dem 16. Stock lag das Überlegen bei 0.9% und damit unterhalb der vorher definierten Zufallsschwelle. Oberhalb des 25. Stocks wurde keine Reanimation überlebt.

Fazit:
Auch wenn der Ausblick für manches entschädigt haben Patienten in höheren Etagen eine schlechtere Überlebensrate im Falle eines Kreislaufstillstands als Menschen mit Garten. In ihrem Artikel fordern die Forscher Maßnahmen, die zu einem schnelleren erreichen von höher gelegenen Stockwerken führen. Dazu zählt der Abbau von Hindernissen und Barrieren zum Erreichen des Patienten (weite Wegstrecken, verschlossene Türen) und ein Vorrang bei der Verwendung von Aufzügen (universeller Vorrangsschlüssel für Einsatzkräfte).

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