Anästhesie Notfallmedizin

Lokalanästhetika zur Schmerztherapie bei kornealen Verletzungen

Written by sb

Obwohl topische Anästhetika eine hervorragende Analgesie bei (oberflächlichen) Augenverletzungen bieten, werden sie nicht routinemäßig eingesetzt. Dabei bietet die Anwendung von Augentropfen (AT) bei Verletzungen der Kornea erhebliche Vorteile gegenüber einer systemischen Analgesie. Eine Studie aus den USA und Kanada hat sich nun mit der Sicherheit der Lokalanästhesie am Auge beschäftigt.

The safety of topical anesthetics in the treatment of corneal abrasions
J Emerg Med. 2015 Nov;49(5):810-5 (PMID: 26281814)

Obwohl sich die vorliegende Untersuchung eher mit der Behandlung in der Notaufnahme und der Verlaufsanwendung im häuslichen Bereich beschäftigt, gibt sie dennoch auch Aufschlüsse über die Sicherheit der Anwendung im Rettungsdienst.

Warum ist diese Untersuchung so interessant?

Bisher wurden Augentropfen mit lokalanästhetischem Effekt nur selten zur Behandlung von Augenschmerzen eingesetzt. Ein Grund dafür lag in der möglichen Mitosis-Hemmung und der damit verbundenen verlängerten Heilungsphase durch die Augentropfen. Patienten mit Verletzung der Kornea erhalten deshalb eher eine systemische Analgesie mit den entsprechenden Nebeneffekten.

Um die Effektivität und Sicherheit von Lokalanästhetika am Auge zu untersuchen, verglichen die Forscher mehrere bereits publizierte Studien mit insgesamt 141 Patienten. Anand Swaminathan und seine Kollegen konnten dabei zeigen, dass die Anwendung von Tetracain-Tropfen fast umgehend zu einer signifinakten Linderung der Schmerzen führt (von NAS 10 auf NAS 2.5). Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe zeigte sich 72h und 1 Woche nach Verletzung der Kornea (im konkreten Fall eine Hornhaut-OP) kein Unterschied in der Epithelialisierung und Wundheilung.

Bei einer Untersuchung in der Notaufnahme konnte die Anwendung von niedrig dosierten Proparacaine Augentropfen innerhalb von 5 Minuten die Schmerzen von NAS 10 auf NAS 6 senken, wohingegen ein Placebo zu keinerlei Verbesserung führte. Auch hier zeigte sich im Verlauf kein Hinweis auf eine Wundheilungsstörung oder andere unerwünschte Nebenwirkungen.

Fazit:
Die Verwendung von Lokalanästhetika bei Verletzungen der Kornea führen zu einer effektiven und schnellen Schmerzlinderung. Obwohl es nur wenige Studien mit geringer Fallzahl gibt, exsistieren bisher keine Anzeichen, dass die Anwendung von Augentropfen zur Schmerztherapie zu einer Verlängerung des Heilungsprozesses führt. Auch Nebeneffekte der topischen Therapie konnten nicht beobachtet werden.

Wann also können Conjuncain AT im Rettungsdienst eingesetzt werden?

conjuncain

zum Beispiel hier…

Fremdkörper in der Kornea nach Metallarbeiten:
auge_fremdkörper

Glassplitter im Auge nach Verkehrsunfall und geborstener Glasscheibe:
auge_glas

Verletzung der Kornea nach Säure- oder Laugenverätzung:
auge_verätzung

Trivia:
RTWs in Chemie- und Pharma-Konzernen führen zur Behandlung von Augenverletzung oftmals Conjuncain AT mit. Leider ist dieses Medikament noch nicht im Regelrettungsdienst angekommen.

 

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