Intensivmedizin Notfallmedizin

Frühe Adrenalingabe verbessert das Überleben

Written by sb

Im Vorfeld zu den letzten Leitlinien wurde besonders die Gabe von Adrenalin lebhaft diskutiert. Dabei stellt sich nicht nur die Frage ob überhaupt Adrenalin gegeben werden soll, sondern auch zu welchem Zeitpunkt. Vor allem in der jüngeren Zeit finden sich immer mehr große Studien, die sich mit dem Thema Adrenalin bei der Reanimation beschäftigen. Michael W. Donnino und seine Kollegen gingen der Frage nach, ob eine frühere Gabe von Adrenalin bei Patienten mit nicht-defibrillierbaren Rhythmen zu einer höheren ROSC-Rate und zu einem verbesserten Überleben führt.


Time to administration of epinephrine and outcome after in-hospital cardiac arrest with non-shockable rhythms: retrospective analysis of large in-hospital data registry

BMJ 2014 May; 348 (PMID: 24846323)

 

Zur Beantwortung ihrer Frage nutzen die Forscher Daten des US-amerikanischen „GetWithTheGuidelines“-Registers. Ingesamt wurden 25.095 Datensätze aus 570 Krankenhäusern analysiert. Das mittlere Alter der Patienten betrug 72 Jahre. Die mittlere Dauer bis zur Adrenalingabe betrug 3 Minuten.

 

Um verschiedene Zeitintervalle miteinander zu vergleichen bildeten die Forscher 4 Subgruppen: erste Adrenalingabe nach 1-3 Minuten, 4-6 Minuten, 7-9 Minuten und >9 Minuten.

Dabei fanden die Autoren der Studie signifikante Unterschiede für das Überleben: je länger der Abstand zwischen Kreislaufstillstand und Adrenalingabe war, desto schlechter war die Überlebensrate. Die beste Überlebensrate zeigte sich bei Patienten mit einer Adrenalingabe in den ersten 1-3 Minuten.

 

 

Fazit:
Donnino und seine Kollegen geben mit ihrer Untersuchung Hinweise darauf, dass bei Patienten mit nicht-defibrillierbarem Rhythmus die Gabe von Adrenalin evtl. vergleichsweise früh erfolgen sollte. In wiefern diese Daten auch auf Patienten mit defibrillierbarem Rhythmus übertragbar sind ist nach wie vor offen.
Dennoch sollten diese Daten nicht unkritisch gesehen werden. Eine erste Gabe von Adrenalin nach im Mittel 3 Minuten ist ein sehr kurzes Zeitintervall, welches in der tägliche Praxis nur schwer zu realisieren ist. Dies könnte ein möglicher Hinweis auf einen Bias in der Selektion der Daten sein.

 

 

 

 

 

 

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