Notfallmedizin

Durchdrücken vor der Intubation? Bitte nicht!

Written by sb

Unterbrechungen der Herzdruckmassage haben in bisherigen Studien die Sterblichkeit erhöht. Vor Schaffung eines Atemweges wurde deshalb von den Forschern vom Resuscitation Outcomes Consortium (ROC) der Versuch unternommen, für die Beatmungen keine Pausen zu machen. Das ist schlecht, sagen sie nun

EDIT:Die ursprüngliche Zusammenfassung war fehlerhaft von mir dargestellt. Vielen Dank an Mats Gunnar Lander, der den Artikel gründlicher gelesen hatte als ich und mich auf unserer Facebook-Seite auf den Fehler aufmerksam gemacht hat. Wer lesen kann ist halt… 😉

Trial of Continuous or Interrupted Chest Compressions during CPR.
N Engl J Med. 2015 Nov 9

 

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Jetzt schlägts 3(zehn). Das Resuscitation Outcomes Consortium (ROC) ist ein Verbund von 10 regionalen Zentren, die die prähospitale Versorgung und Reanimation schwerer Traumata und cardialer Ereignisse im Nord-Osten der Vereinigten Staaten erforschen. Uns ist es schon einmal beim Nachweis des Einflusses der Krankenhausperformance auf das Überleben und dem  Thema Laktat begegnet und weist auch sonst eine beeindruckende Forschungsaktivität auf.

 

Diesmal wollten Sie den Beweis für das verbesserte Überleben bei nicht unterbrochener Reanimation erbringen. Knapp 24.000 Reanimationen haben sie dafür in 2 Studienarme eingeschlossen:

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Im Interventions-Arm wurden ohne Unterbrechung Thoraxkompressionen durchgeführt und asynchron dazu mit einer Atemfrequenz von 10 beatmet. Im Kontroll-Arm wurde wie üblich mit  30:2 reanimiert und erst nach Schaffung eines Atemweges kontinuierlich durchgedrückt. In beiden Armen wurde auf die Schaffung eines Atemweges in den ersten rund 6 Minuten grundsätzlich verzichtet.

Die Patientengruppen unterschieden sich nicht deutlich voneinander:

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Ergebnis:

1129 von 12,613 Patienten in der Intervention (9.0%) und 1072 vom 11,035 (9.7%) in der Kontroll-Gruppe überlebten bis zur Krankenhausentlassung (Unterschied, −0.7 %; 95% Konfidenzintervall [CI], −1.5 to 0.1; P = 0.07).

7.0% der Patienten in der Intervention und 7.7% der Kontroll-Gruppe überlebten mit gutem neurologischen Outcome (Rankin<3) (Unterschied, −0.6 %; 95% CI, −1.4 bis 0.1, P = 0.09).

Das Überleben ausserhalb des Krankenhauses war in der Interventionsgruppe signifikant kürzer (im Mittel, −0.2 days; 95% CI, −0.3 to −0.1; P = 0.004).

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Und in der per-protocol Analyse (also, was nach Randomisierung geplant war) wurde der Überlebensvorteil von 30:2 Reanimierten sogar signifikant

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Fazit:

 

Die kontinuierliche Herzdruckmassage ist in der Phase vor Schaffung eines Atemweges dem 30:2 nicht überlegen, im Gegenteil, das Outcome kann sich darunter verschlechtern. Ob dies eher für unser weit verbreitetes Vorgehen, früh mit dem Larynxtubus einen Atemweg zu schaffen spricht, oder insgesamt die Wichtigkeit der Beatmung wiederherstellt bleibt zu Diskutieren.

Herzliche Einladung zur Diskussion, z.B. auf unserer Facebook-Seite und nochmals mein Dank an Mats Gunnar Lander,

 

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