Intensivmedizin

Urlaubsmitbringsel ESBL

Written by md

Neben furchtbaren Schnitzereien, einer neuen Hautfarbe und einem Satz Geschichten von Orten mit schwer lesbaren Namen sind ein (un)beliebtes, sicher aber ungewolltes Mitbringsel von Asienreisen häufig hochresistente  Darmkeime mir Extended Spekturm Beta Laktamasen (ESBL)
Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany.
Int J Med Microbiol. 2015 Jan
High colonization rates of extended-spectrum β-lactamase (ESBL)-producing Escherichia coli in Swiss travellers to South Asia- a prospective observational multicentre cohort study looking at epidemiology, microbiology and risk factors.
BMC Infect Dis. 2014 Oct 1

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Die zunehmende Durchseuchung der Bevölkerung mit höherreistenten Gram negativen Keimen stellt die Medizin vor immense Herausforderungen. Von der Rückkehr in die Prä-Penicillin-Ära wird da von der WHO gewarnt und Angela Merkel brachte diese Thema mit Nachdruck in das G7-Treffen ein. Eine Methode der Resistenz ist der Erwerb eines Enzyms zur Zerstörung von bestimmten Antibiotika, der Beta-Laktam-Antibiotika. Diese sinnhafter Weise „Beta-Laktamasen“ genannten Enzyme existieren in verschieden effizienten Varianten, wobei die ESBL, die Extended Spectrum Beta-Laktamasen“ die Krone der Entwicklung darstellen.

 

In den vorgestellten Artikeln wurden Urlauber vor und nach ihrer Aufenthaltes auf ESBL Keime untersucht. In der deutschen Studie von Lübbert et al. kehrten von 205 Reisenden nach Asien, Afrika und Südamerika mit einer ESBL-Inzidenz von nur 6,8% (14/205) immerhin 35% (72/205) positiv wieder zurück. Das sind 58 zusätzliche Infektionen. Nach 6  Monaten waren noch 3 von 35 erreichbaren Teilnehmern weiterhin positiv.

 

Bei den Schweizer Touristen zeigten Künzli et al. noch deutlichere Ergebnisse. Bei Abreise waren 170 der 179 gescreenten Reisenden „sauber“ (2,8% waren positiv (5/179), zu 4 lagen keine Daten vor). Bei Rückkehr waren 118 der zuvor negativ getesteten Reisenden positiv (118/170). Insgesamt gab es nun 69% (123/179) positiver Menschen.

Die höchsten Konversionsraten erreichte hierbei Indien, von wo 87% der zuvor negativ getesteten Reisenden mit einem ESBL zurück kamen (59/68).

 

Beide Studien identifizierten die Dauer des Aufenthaltes, sowie das Zielland als unabhängige Risikofaktoren. Während für die deutschen Reisenden allerdings kein Schutz durch alleinige Verwendung von abgepacktem Wasser und Essen festgestellt werden konnte, reduzierten solche Maßnahmen in der schweizer Untersuchung die Infektionshäufigkeit .

 

Fazit:

Durchfallerkrankungen sind nicht nur ein Urlaubs“Killer“, „Killer“-Bakterien reisen als Gepäck im Darm auch gerne wieder zurück aus der Ferne. Insbesondere Asien, und hier speziell Indien sind Gefahrengebiete.

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