Anästhesie Notfallmedizin

Intravenöse Analgesie mit Ketamin vs. Morphin in der Notfallmedizin

Written by sb

Die Durchführung einer suffizienten, schnellen und sicheren Analgesie ist eine Kernkompetenz der Notfallmedizin.  Je nach  Schmerzstärke und Erfahrungen kommen dabei verschiedene Substanzen zur Anwendung. Das Repertoire umfasst dabei  die Gabe von nicht steroidalen Antiphlogistika (z.B. Paracetamol, Metamizol) oder Opiaten (z.B. Morphin, Piritramid) bis hin zur Inhalation von Lachgas. Inwieweit Ketamine  mit der Sicherheit und Effektivität von Morphin vergleichbar sind hat nun eine aktuelle Studie aus den USA untersucht.


Intravenous Subdissociative-Dose Ketamine Versus Morphine for Analgesia in the Emergency Department: A Randomized Controlled Trial
Ann Emerg Med. 2015 Sep;66(3):222-229 (PMID: 25817884)

Dazu haben die Forscher um Sergey Motov  insgesamt 90 Patienten mit einem mittleren Schmerzniveau (NRS 0-10) von 8,6 (Keatmin-Gruppe) bzw. 8,5 (Morphin-Gruppe) untersucht.  Die Patienten erhielten dabei entweder 0,3 mg/kg Ketamin oder 0,1 mg/kg Morphin.  Untersucht wurde der Schmerzverlauf und die Notwendigkeit einer Notfall-Analgesie mit Fentanyl.

Bezüglich der Schmerzreduktion zeigte sich 30 Minuten nach Medikamentengabe kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen (Ketamin 4,1 vs. Morphin 3,9).  Obwohl nicht signifikant, benötigten Patienten in der Ketamin-Gruppe in den ersten 30 Minuten häufiger eine Notfall-Analgesie (4 Patienten; 9%) als Patienten in der Morphin-Gruppe (1 Patient; 2%).

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Bezüglich der Pulsfrequenz zeigte sich ebenfalls kein Unterschied zum Zeitpunkt 15 oder 30 Minuten nach Medikamentengabe.  Allerdings zeigten Patienten in der Ketamin-Gruppe in den ersten  15 Minuten einen leicht höheren Blutdruck und eine höhere Atemfrequenz. 30 Minuten nach Medikamentengabe konnte dieser Unterschied nicht mehr nachgewiesen werden.

Fazit:
Bei Patienten mit akuten moderaten Schmerzen erzielt die Gabe von Ketamin eine ähnliche Schmerzreduktion wie die Applikation von Morphin. Der Vorteil von Ketamin liegt dabei besonders in den ersten 30 Minuten. Im Vergleich zur Morphin-Gruppe steigt beim Ketamin nach 2 Stunden signifikant der Bedarf an zusätzlicher Analgetikagabe. Auch zeigten in den ersten 30 Minuten in der Ketamin-Gruppe deutlich häufiger Nebenwirkungen (Blutdruckanstieg, Anstieg der Atemfrequenz, Schwindel). Schwerwiegende Nebenwirkungen konnten in keiner der beiden Gruppen beobachtet werden. Inwiefern die vorliegenden Daten zu einer Änderung  von bestehenden Schmerzkonzepten führen bleibt offen. Hier sind sicherlich weitere Studien mit größeren Fallzahlen vonnöten.

 

 

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