Intensivmedizin Notfallmedizin

Niedriger Hämoglobingehalt verschlechtert das Outcome nach Reanimation

Written by sb

Die Gewährleistungung einer guten zerebralen Sauerstoffversorgung ist ein Hauptbestandteil der Postreanimations-Behandlung. Dabei ist neben der Perfusion auch der Sauerstoffgehalt des Blutes von zentraler Bedeutung. Eine aktuelle Studie aus Belgien hat nun den Einfluss des Hämoglobingehaltes auf die zerebrale Oxygenierung und das Überleben untersucht und stellt aktuelle Empfehlungen der Intensivmedizin in Frage.


Low hemoglobin levels are associated with lower cerebral saturations and poor outcome after cardiac arrest.
Resuscitation. 2015 Aug 29. pii: S0300-9572 (PMID: 26325099)

Ingesamt 82 Patienten untersuche das Forschungsteam von K. Ameloot in ihrer prospektiven Beobachtungsstudie. Untersucht wurde die Sauerstoffsättigung im Hirngewebe und das Outcome in Abhängigkeit des Hb-Gehalts. Um die Sauerstoffsättigung im Gehirn (SctO2) zu Messen wurde eine Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) bei den Patienten durchgeführt.

NIRS

In ihrer Studie fanden die Forscher einen engen Zusammenhang zwischen Hb und SctO2 und konnten zeigen, dass ein Hb von unter 10 g/dl prinzipiell zu einer schlechten Sauerstoffversorgung des Gehirns führt. Gleichzeitig führte ein Hb von 13 g/dl bei Aufnahme zu einem signifikant besseren Überleben.

Zusammenhang zwischen Hb und zerebraler Gewebssättigung:
Hb_SctO2

Zusammenhang zwischen Hb und Outcome:
Hb_Outcome

Fazit:
Die Erkenntnisse von Ameloot könnten ein Hinweis darauf sein, dass Patienten nach Reanimation von einem Hb über 10 g/dl profitieren, und stellt damit die in der Intensvimedizin weitverbreitete Grenze eines minialen Hb von 7 g/dl in Frage. Allerdings konnten die Ergebnisse auch zeigen, dass ein erhöhter Hb (16 g/dl) auch zu einer Verschlechterung des Outcome führen kann. Da es sich bei der Vorliegenden Studie allerdings um eine kleine Patientengruppe handelt, sollten die Ergebnisse zurückhaltend betrachtet werden.

 

 

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