Narkose zur Sectio – Wer stört?

Die anästhesiologische Betreuung zum Kaiserschnitt, zumeist als Spinalanästhesie, ist ein Hochrisikounternehmen. Gerne lassen wir Anästhesisten es so aussehen, als wäre das alles kein Problem. Nur Operateure beschweren sich über das Rascheln von Papier, die „falsch“ angereichte Klemme, das zu helle/zu dunkle/zu grelle/zu rote (ist ja alles blutig hier) Licht. Wir nicht. Aber wie laut ist es eigentlich, so während der Sectio?
Distractions during critical phases of anaesthesia for caesarean section: an observational study.
Anaesthesia. 2015 May;70(5):543-8

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Wohlgemerkt, die Ruhe während die Spinalanästhesie durch Punktion des Liquorraumes initiiert wird ist auch wohltuend, aber die wirklich kritische Phase beginnt nach Entwicklung des Kindes. Es mag zwar peinlich für die Anästhesie sein, wenn eine Regionalanästhesie nicht ausreichend wirkt oder gänzlich misslingt. Das stellt aber, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Gefahr für Leib und Leben des Kindes oder der Mutter dar.

Nach der Geburt des Kindes ist dessen Versorgung sicherzustellen, die Antibiose zur Infektionsprophylaxe, Oxytocin zur Uteruskontraktion und was die Hausstandards noch so vorsehen zu geben, etwaigen FruchtwasserembolienUterusatonien oder anderen Komplikationen zu begegnen. Die Workload und potentiellen Gefahren wachsen deutlich.

Gleichzeitig ist die Erfahrung, dass grade dann irgendwie die Kommunikation schwierig wird, weil die Hebamme der Mutter noch das Kind zeigen, der Operateur seine perfekte Zeit unterstreichen, der Vater ein Handybild machen, oder der zweite Springer samt Zuschauern nach erfolgreicher Geburt des so süßen neuen Wesens in Verzückungen ausbrechen.

Jenkins et. al. unterstreichen mit ihren Daten diese gefühlte Erfahrung.

Sie verglichen die drei Phasen

  • Ausführen der Blockade (Spinalanästhesie)
  • Testen der Ausbreitung
  • Geburt des Köpfchens

bei 30 Sectiones miteinander.

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Während in der Phase des „Stechens“, zumeist sitzt die Patientin dabei, noch versucht wird, eine ruhige Atmosphäre zu bewahren, nehmen nach Geburt des Kindes Geräuschpegel, Zahl der Konversationen und der lauten Einzelgeräusche deutlich zu.

 

Viel Einfluss hat nach Erfahrung des Autors dabei die jeweilige Klinik-Tradition. So gibt es leisere und lautere Kliniken.

Die Erfahrungen der Luftfahrt mit potentiell kritischen Situationen und den Gedanken des „sterile Cockpit“ sollten wir uns  aber zu nutze machen. Auch wenn das bedeutet, das z.B. Anrufe in solchen Phasen durch uns nicht angenommen werden sollten.

 

Fazit:

Grade in der kritischen Phase nach Kindsentwicklung kommt es bei der Sectio caesarea zum meisten Lärm und Bewegung. Die nötige Konzentration stellt sich nur durch Bewusstsein und Haltung ein, indem das Team und jeder einzelne versucht eine Arbeitsatmosphäre zu erhalten.