Initial tiefe Analgosedierung geht mit vermindertem Überleben einher

Toter Indianer – guter Indianer. Diese mit dem Wunsch nach Leidensreduktion beim Patienten ummantelte Doktrin ist noch immer allzu häufig Grundlage intensivmedizinischer Analgosedierung – grade am Beginn einer schwereren Erkrankung. Das dies Folgen auf die Überlebenswahrscheinlichkeit hat, stellt eine Arbeitsgruppe von Fr. Prof. Spies von der Charite eindrücklich dar.

Early deep sedation is associated with decreased in-hospital and two-year follow-up survival
Critical Care (2015) 19:197

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Felix Balzer stellt retrospektiv ausgewertete Daten aus dem elektronischen Dokumentationssystem von 4 Intensivstationen der Berliner Universitätsklinik Charite vor.

Von den insgesamt 25931 Patienten, die zwischen 2007 und 2012 behandelt wurden schlossen sie jene aus, die jünger als 18, nicht beatmet, kürzer als 48h auf der Station, extern gekühlt oder gewärmt waren, schon einmal während des betreffenden Aufenthaltes auf der Intensivstation gewesen waren oder weniger als 3 dokumentierte Sedierungstiefebestimmungen aufwiesen.

Die Pauschaldefinition als „tiefe Sedierung“ bei Messungen eines RASS (Bewertung auf der Richmond Agitation Sedation Scale) kleiner -3 wurde zugunsten einer differenzierten Bestimmung, in die insbesondere die Anzahl der Messungen einging, verlassen.

Insgesamt wurden so 1884 Patienten in die Untersuchung eingeschlossen. Da Patienten mit deutlich reduziertem Bewusstsein häufig auch die kränkeren Patienten sind, führten die Untersucher ein APACHE-Score und Aufnahmeart (geplant/ungeplant) Matching durch.

Im Ergebnis:

Patienten mit tiefer Sedierung wurden später extubiert.

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Sie hatten ein schlechteres Kurzzeitüberleben

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Und vor allem auch Langezeitüberleben

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Fazit:

Das Gegenteil von gut ist nicht schlecht, sondern gut gemeint. Der Wunsch einem geplagten Menschen Linderung und Abschirmung zu verschaffen ist ehrenwert. Tiefe Sedierung auch in der Frühphase online casino geht aber mit einer geringeren Überlebenswahrscheinlichkeit von Patienten einher und kann deshalb bestenfalls Element einer palliativen Therapie sein.

 

ERGÄNZUNG:

Vielen Dank für die Kommentare auf unserer Facebook Seite. Hier die versprochenen Ergänzungen.

Gruppenzuteilung:

Für die Unterscheidung zwischen Tiefer und flacher Analgosedierung wurde der Quotient aus Messungen mit einem RASS<-3 und den gesamten Messungen gebildet. Anhand dieser Daten wurde mit Ziel der dichotomen Variable des Überlebens eine ROC-Analyse durchgeführt und ein Trennpunkt mit der höchsten Sensitivität und Spezifität zur Gruppentrennung ermittelt.

 

Matching:

Da es offensichtlich ist, das „kränkere“ Patienten auch häufiger Bewusstseinsgemindert wären, wurde eine Paar-Bildung und damit ein paarweiser Vergleich in Bezug auf Aufnahmestatus („Geplant“ oder „Notfall“) und Aufnahme APACHE II-Score durchgeführt.

Die Gruppenvergleiche hier:

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Teifere Sedierung = weniger Propofol= mehr Benzodiazepine = höhere Katecholamin-Dosen.

 

Wohlgemerkt: Es werden nicht prospektiv Therapieregime miteinander verglichen, sondern es wird retrospektiv geschaut, wie sich die Gruppen unterscheiden.

Ob eine flachere Sedierung damit Leben rettet ist nicht beantwortet. Wohl aber, das eine tiefe, benzodiazepin-gestützte Sedierung im Sinne eines prognostischen Faktors mit einer erhöhten Mortalität einhergeht.

2 Gedanken zu „Initial tiefe Analgosedierung geht mit vermindertem Überleben einher

  • 2015-08-23 um 21:49
    Permalink

    Von Sebastian Eifrig via Facebook:
    Wieder einmal eine wunderbar pauschalisierte Studie. So nicht zu gebrauchen.

  • 2015-08-23 um 21:49
    Permalink

    Von Christian Kønig via Facebook
    n dem Artikel wird überhaupt keine verwertbare Aussage gemacht. Und es existieren keinerlei Angaben zur Ausgangssituation der Patienten. Das ist also Wissenschaft..?

Kommentare sind geschlossen.