Vagusreiz bei (stabiler) supraventrikulärer Tachykardie

Während bei Patienten mit hämodynamisch relevanter supraventrikulärer Tachykardie (SVT) oftmals eine elektrische Kardioversion zum Einsatz kommt, können Patienten mit stabiler SVT auch weniger Invasiv behandelt werden. Zu den Behandlungsmethodem zählen vor allem medikamentöse Ansätze. Dass es auch mit simplen Methoden geht, zeigt nun eine Übersichtsarbeit mit mehreren Case-Reports.

Novel vagal maneuver technique for termination of supraventricular tachycardias
Am J Emerg Med. 2015 Jun 3. (PMID: 26209466)

Ziel der vagalen Stimulation ist die Aktivierung des Nervus vagus und damit des Parasympathikus. Dabei zählen das Vasalva-Manöver, das Massieren der Karotiden und die Anwendung von kaltem Wasser im Gesicht zu den bekanntesten Methoden. Je nach Literatur schwanken die Erfolgsraten bei der Anwendung des Vasalva-Manövers zur Beendigung der SVT zwischen 19,4% und 54,3%.

Haluk Un und seine Kollegen stellen in ihrer Arbeit eine neue und simple Methode zur Aktivierung des Vagus vor. Hierzu haben die Forscher Patienten mit SVT innerhalb von 2 Sekunden aus der sitzenden in die liegende Position umgelagert. Dabei sollten die Patienten langsam und tief einatmen. Das Verfahren wurde bei 5 Patienten mit refraktärer SVT (kein Ansprechen auf Vasalva-Manöver oder Karotismassage) angewendet. Bei allen Patienten führte das Kipp-Manöver von Un zu einer Beendigung der SVT.

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Fazit:
Mit dem Kipp-Manöver steht neben der Karotismassage und dem Vasalva-Manöver eine zusätzliche Methode zur nichtinvasiven Therapie der stabilen SVT zur Verfügung. Bevor also zur elektrischen oder medikamentösen Kardioversion gegriffen wird, ist die Anwendung einer solchen Methode sicherlich einen Versuch wert. Bei entsprechender Erfahrung kann ggf. auch über die Verwendung des okulokardialen Reflexes nachgedacht werden.