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Sommer II – Frauen spielen anders als Männer

Written by md

In Beachvolleyball Top-Teams erfolgt ein Zuruf (call) vom Steller zum Angreifer unterschiedlich oft. Bei Frauen-Team viel häufiger als bei Männern. Frauen folgen diesem Hinweis auch deutlich öfter als männliche Spieler, und das, obwohl der call äußerst effektiv ist.

Effectiveness of the Call in Beach Volleyball Attacking Play
Journal of Human Kinetics – volume 44/2014

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Im Beachvolleyball wird im ersten Ballkontakt der Aufschlag/Angriff angenommen, mit dem zweiten Kontakt gestellt und mit dem Dritten der Angriff ausgeführt. Der Steller kann, während der Angreifer den Ball fixiert und anläuft, das gegnerische Team beobachten und durch einen Zuruf (call) seinem Teampartner den besten Schlag mitteilen (Schmettern (spike), knapp hinters Netz (cut), grade (line), quer (dia) und so weiter).

Die Autoren um Stefan Künzell untersuchten bei den Schweizer Beachvolleyball Meisterschaften 2011 2185 Angriffszüge auf das Vorhandensein eines „Call“, dessen Qualität (gut/schlecht) und den Erfolg.

Wichtigste Erkenntnis: Es gibt tiefgreifende Unterschiede zwischen Männer und Frauen Teams.

 

In Männer-Teams erfolgt deutlich seltener ein Zuruf, und wenn es einen gibt, dann wird er zumeist nicht befolgt.

„Call“ Befolgt
Frauen 85,5% 57,7%
Männer 38,4% 46,1%

 

Umgekehrt bei Frauen Teams. Nicht nur findet sich die verbale Kommunikation häufiger, der Angriff erfolgt auch öfter entsprechend dem Zuruf. Hierbei ist aber zu beachten: Kommt ein Call z.B. zu spät, ist der Angreifer nicht mehr in der Lage ihn zu befolgen.

 

Sind denn im „schnelleren“ und „härteren“ Männer-Beachvolleyball die Zurufe so viel weniger effektiv?

„Killshot“ Call befolgt Call ignoriert ohne Call
Frauen 61,4% 42,6% 35%
Männer 63,3% 47,5% 55,5%

 

Es scheint nicht so, denn kam ein Call, und wurde er befolgt, war die Erfolgswahrscheinlichkeit am höchsten, bei allerdings einer guten Erfolgswahrscheinlichkeit es auch „allein“ zu schaffen.

Ist denn die männliche Spielfraktion im Rahmen ihrer sportlichen Entwicklung lernfähig?

Die Autoren betrachteten auch Unterschiede zwischen „Eilte“ und „non-Elite“ Teams. In beiden Geschlechtern haben die besseren Teams (wie auch zu erwarten) auch die insgesamt höheren Erfolgsraten in ihren Angriffen, auch wenn die Unterschiede bei den weiblichen Teams deutlich höher sind. Gleichzeitig wird bei beiden Geschlechtern weniger gerufen, trotz weiterhin höherer Effektivität.

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Die Erfahrung die die Teams in Ihrer Entwicklung machen (Effizienz Zuwachs in den Subgruppen), zeigt, dass männliche Teams in der Entwicklung mit mit den Zurufen schlechter werden.

„Killshot“-Effizienzsteigerung „non-Elite“ – „Eilte“ Gesamt Call befolgt Call ignoriert ohne Call
Frauen 27,5% 23,1% 28,3% 17,2%
Männer 2,3% -3% -9% 7,1%

 

Jenseits der damit verbundenen Spieltechniken (höhere Blockquote, mehr Ausdauer) kann es auch an der Sorge liegen, den Spielzug zu früh auch dem Gegner bekannt zu machen. In Messungen reagieren erfahrene Spieler einige Millisekunden später auf einen Angriffsball. Sie warten zunächst, bis sie sich über dessen Flugbahn sicher sind. Jenseits sich aufdrängender Unterschiede im Kommunikationsverhalten kann also auch das Spiel mit List und Gegenlist für die niedrige Rate an Zurufen  verantwortlich sein.

 

Fazit:

In einer grundlegend Teambasierten Sportart aus 2-Personenteams lassen sich grundlegende Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Teams nachweisen. Weibliche Teams kommunizieren deutlich häufiger, obwohl der Erfolg für beide Geschlechter nach angesagten Angriffen höher ist.

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