Neue Leitlinie zur Behandlung von Tauchunfällen

Im April 2015 haben die Gesellschaft für Tauch und Überdruckmedizin (GTÜM) und die Schweizerische Gesellschaft für Unterwasser- und Hyperbarmedizin (SUHMS) ihre aktuelle Leitlinie Tauchunfall veröffentlicht. Zeit einen Blick in dieses seltene aber spannende Themengebiet zu werfen.


S2k Leitlinie Tauchunfall 2014-2017: AWMF Nr. 072-001

Tauchen zählt sowohl im Ausland, als auch im Inland zu einem der beliebtesten Freizeitsportarten. Trotz einer gut geregelten Ausbildung kommt es dennoch immer wieder zu Unfällen während des Tauchens. Die Versorgung beinhaltet dabei nicht nur Taucher aus den heimischen Tauchrevieren, sondern auch Urlauber nach ihrer Rückkehr aus den verschiedenen Tauchgebieten. Vor allem Rettungsdienstbereiche in Flughafennähe sollten deshalb zumindest mit den Grundlagen der Behandlung eines Tauchunfalls vertraut sein. Prinzipiell erfolgt die Behandlung von Patienten symptomorientiert. Dennoch sollten einige Punkte beachtet oder in Erwägung gezogen werden.

Wir wollen hier eine Übersicht über die wichtigsten Eckpfeiler der Primärversorgung geben:

Sauerstoff
Basismaßnahme ist unverändert die frühzeitige und konsequente Gabe von 100% Sauerstoff. Hierdurch soll eine schnellstmögliche Abatmung des Stickstoffs aus dem Blut gewährleistet werden.

CPAP
Neu in die Leitlinie aufgenommen wurde die Anwendung der CPAP-Beatmung aufgrund der guten Verfügbarkeit im Rettungsdienst. Ein Barotrauma der Lunge (Pneumothorax) sieht die Leitlinie allerdings nur als relative Kontraindikation an.

Flüssigkeitsapplikation
Prinzipiell sollen Patienten eine moderate Flüssigkeitsmenge von 0,5-1 L/h erhalten. Bei stabilen und wachen Patienten kann dies oral erfolgen. Dabei sollen vor allen isotonische, kohlensäurefreie Getränke verwendet werden. Im Rettungsdienst kann die Flüssigkeitsapplikation in Form von i.v.-Vollelektrolytlösungen erfolgen.

Lagerung
Aktuell besteht keine Einigkeit darüber ob der Oberkörper hoch oder tief gelagert werden soll. Bei der Hochlagerung konnte in tierexperimentellen Studien eine erhöhte Gefahr für das Auftreten von zerebralen Embolien nachgewiesen werden. Im Gegensatz dazu kann die Beeinträchtigung des venösen Abfluss bei der Tieflagerung das Risiko eines Hirnödems erhöhen. Obwohl es nicht explizit in den Leitlinien erwähnt wird, scheint eine Flachlagerung sinnvoll sein.
Da Erschütterungen und Vibrationen das Ausgasen von Stickstoff aus dem Blut begünstigen können, sollten Patienten möglichst wenig bewegt und erschütterungsarm transportiert werden.

Algorithmus Tauchunfall

tauchunfall - algo