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Krankenhausperformance bestimmt das Überleben nach Reanimation

Written by md

Jede Kette ist nur so stark…

Ein Indikator, der die Einhaltung bestehender Standards in der Post-Reanimationsbeahndlung beschreibt, ist assoziiert mit dem (neurologisch guten) Überleben nach Herzstillstand und erfolgreicher Reanimation.

Association between hospital post-resuscitative performance and clinical outcomes after out-of-hospital cardiac arrest
Resuscitation. 2015 Jul;92:45-52.

Eigentlich ein „Abfallprodukt“ aus der ROC-PRIMED Study untersuchen die Autoren des Resuscitation Outcomes Consortiums (ROC) hier den Zusammenhang zwischen der Einhaltung von 5 Standards der Post-Reanimationstherapie und dem Outcome.

Das Resuscitation Outcomes Consortium (ROC) ist ein Verbund von 10 regionalen Zentren, die die prähospitale Versorgung und Reanimation schwerer Traumata und cardialer Ereignisse erforschen. Uns ist es schon einmal beim Thema Laktat begegnet und weist auch sonst eine beeindruckende Forschungsaktivität auf.

Bei 3252 Patienten mit erfolgreicher prähospitaler Reanimation, die mindestens noch 60 Minuten im Krankenhaus überlebten (Reanimationserfolg) und Intubiert wurden (anhaltende Bewusstlosigkeit) wurde im Zeitraum von Juni 2007 bis Oktober 2009 die klinische Performance erhoben und der Verlauf verfolgt.

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Die Kriterien waren:

  1. Koronarangiographie innerhalb 24h nach Ankunft im Krankenhaus
  2. Einleitung eines zielgerichteten Temperaturmanagementes (TTM) mit einem Ziel zwischen 32°-34°
  3. Das Erreichen der Zieltemperatur
  4. Aufrechterhaltung über >12h
  5. Keine Therapieeinstellung nach weniger als 3 Krankenhaustagen (außer bei Nachweis des Hirntodes)

Die Einhaltung wurde für jeden einzelnen Patienten bestimmt (Höchstwert 100% der Interventionen, Minimum 0%) und für jedes der 111 Krankenhäuser, die Patienten aufnahmen. Die Darstellung des präzisenRechensystems sei hier unterlassen).

Die Performance der Krankenhäuser stellte sich in einer negativ-lastigen, normverteilungsähnlichen Kurve dar:

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In der Betrachtung der Quartile der Verteilung und nach Bereinigung um die relevanten präklinischen Überlebensdaten (bystander-CPR, Dauer des Stillstandes, beobachteter Stillstand, Alter des Patienten und Ort der Reanimation) zeigte sich ein glasklarer Zusammenhang zwischen Einhaltung der (sehr übersichtlichen) Leistungsanforderungen und dem Überleben der Patienten (incl. dem neurologisch guten Outcome mit Modifizierter Rankin-Skala <=3)

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Welche Unterschiede zeigten sich ganz besonders zwischen den Krankenhäusern?

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Während der Wille, eine Therapie geduldig fortzusetzen und auf die Phase der Besserung zu warten bei nahezu allen Krankenhäusern gegeben war, trennte sich beim Temperaturmanagement die Spreu vom Weizen. In einer Modellrechnung entfernten die Forscher testweise die Parameter „Erreichen der Zieltemperatur“, mit Hinblick auf die Diskussion um die korrekte Tiefe, sowie „Beenden Therapie“ aus dem Score und wiesen dennoch den signifikanten Zusammenhang nach.

 

Fazit:

Es beginnt bei der Reanimation durch Laien und endet in der Intensivtherapie. Es wird nicht ausreichend helfen, wenn wir in groß angelegten Aufklärungs- und Schulungskampagnen den Anteil der Bystander-Reanimation auf Holland-Niveau pushen wollen, wenn wir zulassen das Reanimationspatienten ohne Temperaturmanagement (Fieber verhindern!) und ohne direkten Herzkatheter (Zielkrankenhaus!) versorgt werden. Hier stehen wir als Intensivmediziner in der Verantwortung, bevor wir mehr vom Laien verlangen.

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