Burnout und Patientensicherheit

Burnout beschreibt sich mit Emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung (der mentalen Distanz zur Tätigkeit) und Sinkender Leistungsfähigkeit (sowohl Empfunden als auch faktisch). Das emotional erschöpfte Mitarbeiter eine Gefahr für die Sicherheit sind erscheint offensichtlich, eine schweizer Arbeitsgruppe hat es aber eindrücklich dargestellt.


Emotional exhaustion and workload predict clinician-rated and objective patientsafety
Front Psychol. 2015 Jan 22;5:1573

 

Emotional erschöpfte Mitarbeiter fühlen sich müde und unfähig den Anforderungen ihrer Tätigkeit zu begegnen oder mit Patienten Kontakt aufzunehmen. Durch Coping mittels Depersonalisierung suchen sie die emotionale Ferne zur Tätigkeit und den damit verbundenen Menschen und entwickeln eine distanzierte, zynische Einstellung zu ihnen. Sie fühlen sich nicht in der Lage einen nennenswerten oder wertvollen Beitrag zur Arbeit zu leisten und tun dies faktisch auch nur im deutlich reduzierten Maß, selbst wenn Sie es wollen.

Das auch eine beeindruckende Disziplin und Selbstmotivation in einer solchen Lage die negativen Effekte auf die Patientensicherheit nur begrenzt mindern können erscheint offensichtlich. Grade die einfachen Dinge in der Versorgung, wie Handhygiene, Algorithmus- und Checklistentreue oder das Einhalten von Standards sind einerseits wichtige Prädiktoren für die Patientensicherheit, andererseits setzten sie ein hohes Maß an Identifikation mit der Tätigkeit voraus.

Welp, Meier und Manser untersuchten den Zusammenhang von Burnout, Workload und Patientensicherheit (subjektiv wie objektiv) auf 54 Intensivstationen in der Schweiz. 1425 Pfleger, Schwestern, Ärztinnen und Ärzte beteiligten sich an einer anonymen, onlinebasierten Umfrage. Objektive Daten zu Workload, Patientensicherheit und Planbarkeit kamen aus standardisierten Datensätzen der beteiligten Intensivstationen.

Die Workload wurde aus den Daten zu Nursing Care Interventions erhoben, die Planbarkeit als Verhältnis der geplanten zu den ungeplanten Aufnahmen.

 

Ergebnisse:

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Die Zusammenhänge zwischen den Einzelvariablen sagen, dass bei Frauen und Jüngeren Depersonalisierung und emotionale Erschöpfung häufiger waren. Ärzte waren zumeist männlich, weniger lang im Job und hatten eine höhere subjektive Einschätzung der Patientensicherheit.

Brunoutzeichen waren unabhängig von der Berufsgruppe,  seltener bei erfahrenen Kolleginnen und Kollegen und in Führungspositionen (mit Ausnahme der Leistungsfähigkeit).

Die Workload geht mit einer Erhöhung der emotionalen Erschöpfung, eine Zunahme der Planbarkeit mit einer Zunahme der Depersonalisierung einher.

 

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Relevant für die Patientensicherheit blieben die Burnoutkriterien, nicht aber die Workload.

 

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Diese korreliert aber mit verlängertem Aufenthalt.

 

Fazit:

Es ist eigentlich offensichtlich, aber hier nochmals bewiesen:

Patientensicherheit ist abhängig von Struktur und Menschen.

Wenn ich die Mitarbeiter schwäche hilft mir keine Struktur.

Bezahlen tun am Ende alle, den jeder Fehler kennt ein Second Victim.