Sauerstoff vergrößert den Myokardschaden beim STEMI

Dass Sauerstoff ein Medikament ist und mitunter auch deutliche Nebenwirkungen haben kann wissen wir spätestens seit den Leitlinien 2010 des European Resuscitation Council (ERC). Eine aktuelle Studie hat jetzt den Einfluss von Sauerstoff auf das Herz beim ST-Hebungsinfarkt (STEMI) untersucht und dabei den Trend der letzten Jahre in der zurückhaltenden Anwendung noch mehr unterstrichen.

Air Versus Oxygen in ST-Segment Elevation Myocardial Infarction
Circulation. 2015 May 22. Epub ahead of print. PMID: 26002889

Die Arbeitsgruppe um Dion Stub aus Australien ist der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Sauerstoff beim STEMI hat. Hierzu wurden ingesamt 441 Patienten mit ST-Hebungsinfarkt sowohl während, als auch 6 Monate nach dem Infarkt untersucht. 218 Patienten erhielten während der Notfallversorgung 8L/min Sauerstoff via Gesichtsmaske wohingegen 223 Patienten Raumluft atmeten.

Auch wenn sich Laborchemisch kein signifikanter Unterschied für das mittlere Troponin I zeigte (Sauerstoff: 57.4 µg/L vs. Luft: 48.0 µg/L), konnte unter Sauerstoff ein Anstieg der Kreatininkinase nachgewiesen werden (Sauerstoff: 1948 U/L vs. Luft: 1543 U/L).

Gleichzeitig neigten Patienten mit Sauerstoff deutlich häufiger zu Rezidiv-Infarkten (Sauerstoff: 5.5% vs. Luft: 0.9%) und litten öfters an Arrhythmien als die Patienten ohne Sauerstoffunterstützung (Sauerstoff: 40.4% vs. Luft: 31.4%).

Zusätzlich untersuchten die Forscher 6 Monate nach STEMI die Infarktgröße. Im Herz-MRT zeigten sich bei Patienten mit Sauerstoffgabe signifikant größere Infarktareale im Vergleich zu Patienten unter Raumluft (Sauerstoff: 20.3g vs. Luft: 13.1g).

 

Fazit:
Stub und Kollegen konnten zeigen, dass Sauerstoff bei Patienten mit unkomplizierten STEMI zu einer Verschlimmerung des Myocardinfarks führen kann. 6 Monate nach Herzinfarkt war das Infarktareal bei Patienten in der Sauerstoffgruppe fast 50% größer als das in der Luftgruppe. Sauerstoff ist und bleib ein Medikament mit den dazugehörigen Anwendungen und Nebenwirkungen. Ein genereller Einsatz von Sauerstoff bei Patienten mit unkomplizierten Herzinfarkt entspricht weder den aktuellen Leitlinien, noch dem aktuellen Stand der Medizin.