Kurz vorgestellt: Rea-Training im Krankenhaus–mehr als “Prüfen, Rufen, Drücken”?

Die teils jährlichen, teils sich mehrjährig wiederholenden BLS/ALS Trainings ähneln häufig den pre-flight Sicherheitshinweisen. Nur fehlt zumeist die gutaussehende Stewa… pardon Flugbegleiterin. Das da mehr drin ist wenn man Ernst macht, das zeigt eine Gruppe aus San Diego.

A performance improvement-based resuscitation programme reduces arrest incidence and increases survival from in-hospital cardiac arrest. Resuscitation. 2015 Apr 20;92:63-69

 

1Flight

Die Autoren um Daniel Davis von der University of California in San Diego beginnen mit einer Kritik am eigenen Reanimations-Trainingssystem. Es sei unflexibel, behandele alle Trainees unabhängig vom Erfahrungsstand gleich, die Rollen würden während des Trainings häufig gewechselt, bzw. Ersatzrollen übernommen, die so im Stationsalltag nicht eingenommen würden. Insbesondere aber die fehlende Verknüpfung eines kontinuierlichen Trainingsprozesses mit realen Performance Daten aus den Krankenhausreanimationen verhindere eine kontinuierliche Verbesserung.

1. Zunächst wurde der Reanimations-Algorithmus angepasst. Augenmerk lag laut Autoren bei einer einfachen und universellen Handhabung.

 

2. Ein „Rapid_Response-Team“ aus Intensivpflege, Stationspflege und „respiratory therapist“ (Arzt) wurde für Notfälle/Zustandsverschlechterungen unterhalb einer Reanimation eingerichtet, um frühzeitig eine solche zu vermeiden.

3. Ein „Performance Improvement“ Programm wurde ins Leben gerufen. Jede Reanimation wird durch ein Team aus ärztlichen und nicht-ärztlichen Mitarbeitern innerhalb von einer Woche erfasst, nach Vermeidbarkeit, Prognose, Algorithmustreue und CPR-Qualität ausgewertet und den Mitgliedern des eingesetzten Teams als schriftliches und mündliches Feedback im Rahmen eines Debriefings zur Verfügung gestellt.

4. Ausgehend vom Ausbildungs- und Kenntnisstand wird ein adaptives Training mit Simulationen, psychomotorischen Skill-Stations, Beispielen aus den Fällen und Vorträgen durchgeführt. Für die Teilnehmer der Rea-Teams geschieht dies halb- oder vierteljährlich, für die auf der Intensivstation Tätigen jährlich und für die Normalstationen ein- oder zweijährig.

 

Ergebniss:

Die Inzidenz der Reanimationen auf der Normalstation sank. Ebenso stieg der Anteil der erfolgreichen Reanimationen mit gutem neurologischem Outcome deutlich an.

Bildschirmfoto 2015 06 03 um 01 20 58

Bildschirmfoto 2015 06 03 um 01 20 27

Die Performancedaten der Reanimationen lesen sich ein bisschen wie beim Wolldecken-Training:

Bildschirmfoto 2015 06 03 um 01 20 40

 

Fazit:

Wenn man es Ernst meint und die dafür notwendigen personellen Ressourcen bereitstellen kann, dann können Reanimations- und Notfalltrainings und -programme weit mehr als nur Pflichtschulungen sein.

Sie können durch Verhinderung von Notfällen und Leistungsverbesserung die Patientensicherheit auf den Normalstationen bedeutsam erhöhen.