Intensivmedizin

Kurz vorgestellt: Wortwörtlich! Antibiose ist so (kurz) nicht schlechter. Zumindest beim „Bauch“.

Written by md

Patienten mit einem intraabdominellen Infekt-Fokus, z.B. die Sigmaperforation mit kotiger Peritonitis und Resektion, erhalten nicht nur eine perioperative Antibiotika-Prophylaxe, sondern, natürlich, eine mehrtägige Therapie. Rund 4 Tage lang ist da auch nicht schlechter als bis zum 10. Tag, durften Sawyer und Popovsky im NEJM schreiben.
Trial of Short-Course Antimicrobial Therapy for Intraabdominal Infection
N Engl J Med 2015;372:1996-2005.

 

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An 23 teilnehmenden Zentren wurden von August 2008 bis August 2013 insgesamt 518 randomisiert. 260 wurden der Kontroll-Gruppe zugelost, die nach Fokussanierung max. 10 Tage, mindestens aber 4 Tage nach Beendigung von Fieber, Leukozytose oder Ileus therapiert wurde. Dem gegenüber erhielten die 258 Patienten der Inteventionsgruppe die Antibiose fix 4+/-1 Tag.

Das zumeist eingesetzte Antibiotikum war gruppenübergreifend Piperacillin, die Patienten das klassische Spektrum der zumeist außerklinischen Perforationen.

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Gut gefallen hat mir der ehrliche hohe Anteil von rund 20% der Patienten, bei denen gar keine Kultur auf Keime gewonnen wurde. „Was solls wohl schon sein“, fragt da gern mal der oeprative Kollege, „ist halt Sch%&’# im Bauch. Sollte aber ein Enterococcus faecium dabei sein, können schon mal die oberen 3 der eingesetzten Antibiotika getrost ganz im Schrank bleiben.

Das findet sich auch im Drop-out wieder:

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Die meisten Fälle, die aus ihren Gruppen vielen, waren Therapien die ausgedehnt werden mussten. Sowohl aufgrund anhaltender Entzündungszeichen, als auch aufgrund der erneuten und sekundär Infekte.

Im Ergebnis schnitten beide Gruppen im Überleben und in den Komplikationen weitestgehend identisch ab.

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Es gelingt erstmalig der Nachweis, das die klassische 14-Tages-Antibiose noch nicht einmal das Wundinfektionsrisiko senkt. Im Gegenteil, war die Antibose kürzer zeigten sich weniger Re-Infekte.

 

Fazit:

Bei intraabdominellen Infektionen ist die Fokussanierung das Wichtigste (Prognosekriterium).

Eine frühestmögliche Antibiose sollte flankierend die Prognose weiter verbessern.

Ohne eine Probe des „Drecks im Bauch“ verpasst man die unwirksamen Therapien.

Und 4 Tage reichen für den darauf gut reagierenden Patienten als Therapiedauer gut aus.

Hit hard and early!

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