Wo gehobelt wird…

Verletzungen sind im Rahmen der Thoraxkompression häufig. Sogar häufiger als wir dachten, sagen Pathologen aus Lubljana.

Frequency and number of resuscitation related rib and sternumfractures are higher than generally considered.

Resuscitation. 2015 Mar 12

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In Slowenien wird verpflichtend eine Autopsie durchgeführt, wenn  die Todesursache unnatürlich, oder nicht zweifelsfrei geklärt ist. Am Institut für forensische Medizin von Ljubljana untersuchten Kralj und seine Co-Autoren die 2148 der 10.501 Autopsien der Jahre 2004-2013, bei denen eine CPR durchgeführt wurde auf knöcherne Verletzungen des Thorax (SCI – skeletal chest injuries) und andere Verletzungen.

Präklinischen Reanimationsmaßnahmen werden zumeist durch ein arztbesetztes ACLS-Team durchgeführt.

Von den 2148 Fällen waren 1253 präklinisch (OHCA-out of hospital cardiac arrest), 611 innerklinisch (IHCA- in hospital cardiac arrest) und 234 an beiden Orten im Sinne eines Transportes und Aufnahme unter Reanimation erfolgt.

Miller hatte noch im letzten Jahr ein Review vorgestellt, das eine Verletzungshäufigkeit von 31,2% für die Rippen- und 15,1% für die Sternumfraktur darstellte. Dies sieht bei den Kollegen deutlich anders aus:

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Hier sehen wir eine klar altersabhängige Häufigkeitsverteilung, die ab dem 50.Lebensjahr mühelos die 80%-Marke für knöcherne thorakale Verletzungen überschreitet. Dabei finden die, wie zu erwarten, im mittleren Throax-Drittel statt.

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Zugleich lässt sich mit Steigerung der Intensität der Herzdruckmassage über die Jahre der Guidelineanpassungen nur ein tendenzieller Anstieg der Verletzungshäufigkeit darstellen, der keine statistische Signifikanz erreicht.

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134 wurden mit einem LUCAS-System reanimiert. in einem logistischen Regressions-Modell ließ sich keine Änderung der Gesamthäufigkeit von skeletalen Verletzungen nachweisen. Lediglich die Subgruppe der Frauen mit Sternumverletzungen zeigte eine Häufigkeitsveränderung mit einer odds ratio von immerhin 2,25 (95% CI 1,83-2,85, p<0,001).

Eine Relevanz dieser Verletzungen für das Überleben war mit wenigen Ausnahmen nicht gegeben.

36 Patienten wiesen iatrogene Verletzungen auf, die nach Einschätzung der Pathologen zum Tod beigetraen haben. Bei 30 dieser Patienten war es zu Blutungen von mehr als 500ml gekommen, sowohl durch Leberrupturen, als auch Milzrupturen oder dislozierte Sternum oder Rippenfrakturen. Als Einzelfälle ließen sich multiple Organschäden, ein Spannungspneu, eine Aortenruptur, sowie eine Magenruptur nachweisen.

Insgesamt  wird in dieser Arbeit die Häufigkeit bedeutsamer Verletzungen mit 1,85% angegeben.

 

Fazit:

Die Herzdruckmassage ist bei einem zu renimierenden Patienten ohne Kreislauf alternativlos. Sie geht aber regelhaft mit knöchernen Verletzungen einher, die aber zumeist ohne Bedeutung für den Reanimationserfolg sind. Möglicherweise höhergradige Verletzungen müssen wir aber vor Augen haben, um ggf. auch diese Schäden zu mildern.