Narkose bei Kindern – postoperative Unruhe und Narkoseverfahren

Postoperative Verhaltensauffälligkeiten und Unruhe kommen z.B. nach Entfernung der Gaumenmandeln (Polypen / Adenoide) regelmäßig vor und können bis hin zu Angststörungen über Monate anhalten. Das verwendete Narkoseverfahren hat darauf Einfluss, sagen kroatische Kollegen.

Are postoperative behavioural changes after adenotonsillectomy in children influenced by the type of anaesthesia?

Eur J Anaesthesiol 2015; 32:311–319

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Mehr als 50% aller Kinder entwickeln nach operativen Eingriffen in Allgemeinanästhesie Angstzustände, Schlafstörungen, Einnässen, Wutausbrüche, Ungehorsam oder spezifische Ängste vor Ärzten, Dunkelheit o.ä..

Gut, das haben meine Jungs von Zeit zu Zeit auch so, mag man sagen. Die kroatischen Kollegen sind aber der Spur nachgegangen, das die Häufigkeit dieser Auffälligkeiten etwas mit dem Narkoseregime zu tun haben könnte.

 

Dafür untersuchten sie 64 Kinder der ASA-Kategorien 1 und 2 im durchschnittlichen Alter von 8 Jahren, die sich zu einer Mandel- und Polypenentferung, also Adenotonsillotomie  vorstellten.

 

Ablauf:

30 Minuten nach EMLA-Pflaster (Hautanästhesie) wurde im Beisein (auf dem Schoß) der Eltern ein iv-Zugang gelegt und darüber 0,05mg/kg Körpergewicht Midazolam gespritzt.

In der Propofolgruppe wurde die Narkose mit 2mg/kgKG Propofol eingeleitet und aufrechterhalten. Die Beatmung erfolgt mit einem Sauerstoff/Luft Gemisch.

In der Sevoflurangruppe wurde die Narkose inhalativ eingeleitet und aufrecht erhalten. Die Beatmung erfolgte mit einem Sauerstoff/Lachgas Gemisch.

In beiden Gruppen wurde die Narkosetiefe BIS-kontrolliert und zur Analgesie 2µg/kgKG Fentanyl, sowie zur Ausleitung 15mg/kgKG Paracetamol und 0,2mg/kgKG Dexamethason eingesetzt.

 

Ergebnisse:

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Während nach 6 Monaten nur 16% der Kinder mit TIVA-Narkose Verhaltensstörungen aufwiesen, waren es in der Sevoflurangruppe 69%. Der Effekt war ab dem 3. postoperativen Tag nachweisbar und hielt über den Restzeitraum der Beobachtung an.

Die größten Unterschiede ergaben sich im Bereich der Trennungsangst und generellen Ängstlichkeit.

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Fazit:

Angstreaktionen nach Vollnarkosen sind bei Kindern häufig. Diese Studie vergleicht zum ersten Mal die Inzidenz nach verschiedenen Narkoseformen und stellt der Gasnarkose ein schlechtes Zeugnis aus. Agitationszustände nach inhalativer Einleitung sind schon häufig beschrieben worden. Eine Kombination mit Benzodiazepinen und Opiaten sollte diesen Effekt aber coupieren. Nicht so in dieser Studie.

Noch 6 Monate nach dem Eingriff wird bei diesen Kindern nach Sevofluran/Lachgas Narkose ein erschreckend hohes Maß an Verhaltensveränderung nachgewiesen.