Airwaymanagement von Traumapatienten

Die Oxygenierung spielt eine zentrale Rolle in der Versorgung von Traumapatienten. Je nach Beeinträchtigung reicht die Bandbreite dabei von der einfachen Sauerstoffgabe, über die Verwendung naso- und oropharyngealer Tuben bis hin zur Intubation. Eine Forschungsgruppe aus England hat sich jetzt mit dem Airwaymanagement bei Traumapatienten im Rettungsdienst beschäftigt und ihre Ergebnisse publiziert.

Advanced airway management is necessary in prehospital trauma patients
British Journal of Anaesthesia 114 (4): 657–62 (2015). PMID: 25540067

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Hierzu untersuchten Lockey und seine Kollegen insgesamt 472 Traumapatienten aus dem Großraum London, bei denen ein prähospitales Atemwegsmanagement durch die RTW-Besatzung durchgeführt wurde. Während es bei 203 Patienten zu keinerlei Komplikationen kam, hatten 269 (57%) der Patienten bei Eintreffen des Notarztes (Facharzt Anästhesie) weiterhin ein massives Atemwegsproblem. 174 Patienten hatten einen teilweise oder vollständig verlegten Atemweg. Bei 159 Patienten zeigte sich eine Aspiration von Blut und/oder Erbrochenem. Ingesamt versuchten die RTW-Besatzungen 45 Patienten zu intubieren. Die Erfolgsrate lag dabei bei 64%. In 11% der Intubationen wurden die Patienten unbemerkte ösophageal intubiert und mussten durch den Notarzt umintubiert werden.

Übersicht über die Verwendeten Hilfsmittel zur Oxygenierung:
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Übersicht über die häufigsten Gründe für ein Atemwegsproblem:
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Fazit:
Das Beherrschen von verschiedenen Methoden zur Sicherung der Atemwege ist essentiell in der Notfallmedizin. Die von Lucky gefundenen Daten über die Erfolgsrate der Intubation (64%) und die Anzahl der unbemerkten ösophagealen Intubationen (11%) decken sich mit denen von Nicht-Anästhesisten aus anderen Publikationen (z.B. Developing the skill of endotracheal intubation).  Besonders bei schwierigen und kompromittierten Atemwegen stoßen Rettungsassistenten und Notärzte mit wenig Routine im Atemwegsmanagement schnell an ihre Grenzen. Die von den Landesärztkammern geforderten 25 Intubationen für den Notarztschein sind hier bei weitem nicht ausreichend. Bernhard und Kollegen (s.o.) konnten bereits zeigen, dass ein Training von mindestens 150 Intubationen notwendig ist um 90-95% der Patienten erfolgreich intubieren zu können. Der Anästhesist des Vertrauens hilft sicherlich gerne beim Sammeln von Intubationserfahrung. Man muss sich einfach nur trauen zu fragen…