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Fallbericht: Plötzlicher Kreislaufstillstand bei einer jungen Frau

Written by sb

Ein neuer Fall aus dem letzten Dienst soll auch mal andere Ursachen für einen Kreislaufstillstand beleuchten. Im konkreten Fall geht es um eine jungen Frau, die im Beisein der Familie plötzlich kollabierte.

Gegen 17:40 bricht im Familienkreis eine junge Frau (34 Jahre) plötzlich bewusstlos zusammen. Bevor sie das Bewußtsein verliert klagt sie kurz über heftige Kopfschmerzen im Temporalbereich. Durch die Familie wird sofort der Rettungsdienst alarmiert und durch die Leitstelle RTW und NEF entsendet.

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Bei Eintreffen des RTW zeigt sich der Besatzung folgendes Bild:

34 Jahre alte Patientin:

  • Airway: Atemwege frei, Spontanatmend, Atemfrequenz 14/min
  • Breathing: SpO2 98% unter Raumluft
  • Circulation: RR 100/60 mmHg, HF 84, Puls an den Karotiden bds. gut tastbar
  • Disability: Patientin bewusstlos, keine Reaktion auf Ansprache oder Schmerzreiz, GCS 3. Pupillen sind bds. isokor mit träger Reaktion auf Licht
  • Exposure: keine offensichtlichen Verletzungen, kein Anhalt für Gewalteinwirkung

In der weiteren Versorgung erfolgt die Anlage eines periphervenösen Zugangs (20G) und das Ableiten eines EKGs. Hier zeigen sich keine pathologischen Veränderungen: nSR, ST, kein SB, keine ERBS.

Bei Eintreffen des Notarztes (3 Minuten nach dem RTW) ist der Zustand der Patientin wie folgt:

  • Airway: Agonale Atmung, Atemfrequenz 5/min
  • Breathing: SpO2-Kurve nicht darstellbar
  • Circulation: Puls an den Karotiden nicht mehr tastbar
  • Disability: Patientin bewusstlos, keine Reaktion auf Ansprache oder Schmerzreiz, GCS 3. Pupillen sind bds. isokor mit träger Reaktion auf Licht
  • Exposure: keine offensichtlichen Verletzungen, kein Anhalt für Gewalteinwirkung

Im EKG zeigt sich zu diesem Zeitpunkt weiterhin ein normofrequenter Sinusryhtmus ohne pathologische Veränderungen. Dennoch wird bei fehlener Auswurfleistung und bestehender Schnappatmung sofort mit der Reanimation begonnen. Die Sicherung des Atemwegs erfolgt durch Intubation ohne Unterbrechnung der Thoraxkompressionen. Im Anschluss erfolgt die asynchrone Reanimation (kontinuierliche Beatmung und kontinuierliche Thoraxkompression). Die Beatmung wird mit 100% Sauerstoff bei einem AMV von 6-7 l/min und einer AF von 12/min durchgeführt.

Parallel erfolgt die Fremdanamnese durch die Anwesenden Personen. Hier ergibt sich kein Anhalt für Vorerkrankungen. Ebenso wird eine regelmäßige Medikamenteneinnahme verneint.

Während der Reanimation kann in der Leiste eine suffiziente Auswurfleistung getastet werden. Gleichzeitig kann eine Sauerstoffsättgung von 94-98% an der Hand ermittelt werden. Während der Rhythmuskontrollen zeigt sich im EKG weiterhin der bereits bekannte normofrequente Sinusryhtmus. Eine Auswurfleistung ist weder an den Karotiden, noch in der Leiste tastbar, sodass die Reanimation unter Zuhilfenahme eines mechanischen Reanimationsgerätes (LUCAS 2) fortgeführt wird.

EKG unter CPR mit LUCAS:
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In den Pausen lässt sich der Sinusrhythmus gut erkennen.

 

Es erfolgt der Ausschluß der reversiblen Ursachen eines Krauslaufstillstandes (4Hs und HITs):

Hypoxie: Intubation unter Sicht, etCO2 positiv, SpO2 94-98% haken
Hypovolämie: keine Anzeichen eines Blutverlusts, keine Anämie haken
Hypothermie: Temperatur im Ohr 35,4°C haken
Hypoglykämie: BZ 134 mg/dl haken
Herzbeuteltamponade: suffiziente Auswurfleistung unter CPR haken
Intoxikation: Pupillen isokor, kein Anhalt für Drogen/Medikamente haken
Thromboembolie: keine Virchow-Trias, keine gestauten Halsvenen haken
Spannungspneu: Vesikuläres Atemgeräusch bds, keine gestauten Halsvenen, keine Trachealverschiebung haken

Auch nach weiteren 20 Minuten CPR kann kein Spontankreislauf etabliert werden, sodass zur weiteren Diagnostik der Transport unter Reanimation ins nächstgelegene Krankenhaus erfolgt.

Im Krankenhaus wird unter Reanimation zunächst ein Echo des Herzens durch geführt. Hier zeigt sich eine globale Hypokinesie mit lediglich minimaler Wandbewegung. Die Vorhöfe und Ventrikel sind nicht gestaut (Ausschluß Embolie). Aufgrund der zuvor beschriebenen Schmerzen im Temporalbereich erfolgt zusätzlich die Durchführung eines cCTs:

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Hier zeigt sich eine massive Subarachnoidalblutung (SAB). Bei ausgeprägter SAB und mittlerweile über 90 min Kreislaufstillstand wird die Reanimation bei infauster Prognose eingestellt und die Patientin verstirbt noch in der Notaufnahme.

 

Fazit:
Immer wieder tauchen Fallbeschreibungen auf, bei denen hinter plötzlichen Kreislaudstillständen oder vermeindlichen Myokardinfarkten schwere Subarachnoidalblutungen stecken. Der Pathomechanismus hierzu ist noch nicht vollständig geklärt. Besonders bei jungen Menschen ohne Vorerkrankung und akuten kardialen Problemen (Kreislaufstillstand, Bradykardie bis Asystolie, ST-Hebung im EKG) macht es Sinn ab und an mal an die Aneurysmablutung zu denken und vor der Coronarangiographie ein cCT zu machen.

EKG einer 21 Jahren alten Patienten mit fullminanter SAB:

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Im EKG deutliche ST-Strecken-Hebung im Bereich II, III, aVF (Hinterwand). Im Labor zusätzlich Troponin-Anstieg als Folge der SAB.

 

 

 

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