Notfallmedizin

Kurz vorgestellt: Load & go beim Kammerflimmern – nur wenn sonst nichts klappt

Written by md

Kann es Sinn machen einen flimmernden Patienten unter Reanimation zu transportieren? Ja sagt ein japanisches Team um Azusa Takahashi, hat aber auch spezielle Ansprüche, was die Zielklinik angeht.

Relationship between duration of prehospital resuscitation and favorable prognosis in ventricular fibrillation

Am J Emerg Med (2015), http://dx.doi.org/10.1016/j.ajem.2015.02.031

inemuri

Eine extrakorporale Zirkulation zur Reanimation kann bei therapierefraktärem Kammerflimmern lebensrettend sein. Das Paper stellt die Frage nach der Verbindung zwischen prähospitaler Reanimationsdauer, 24h Überlebensrate und neurologischem Outcome nach 30 Tagen.

Von Januar 2009 bis Dezember 2013 wurden in Funabashi, einer Stadt mit rund 600.000 Einwohnern auf 86km2, 2549 Reanimationen beobachtet, davon 172 mit initialem Kammerflimmern. In 53% der Fälle war durch Umstehende mit einer Reanimation begonnen worden. Nach im Median 11 Minuten war das CPR-Team vor Ort, nach im Median 13 wurde der erste Schock abgegeben (Zeit ab Alarmierung).82 Patienten (47,7%) erhielten ein Antiarrhythmikum, erstaunlicher Weise in 67 Fällen (81% der Anwendungen) Lidocain statt Amiodaron. 106 Patienten wurden als Schock-refraktär, also ohne Wirkung des primären Schocks beschrieben.

Von den 172 Patienten mit Kammerflimmern überlebten 73 die ersten 24h (42,4%). 34 hatten nach 30 Tagen einen CPC-Score von 1 oder 2 (gutes neurologisches Outcome), 39 einen Score von 3 oder mehr (schlechtes neurologisches Outcome).

Wie zu erwarten stellt sich ein ein Zusammenhang zwischen Überleben/Outcome und Dauer der präklinischen Reanimation dar.

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Die Autoren schlussfolgern, dass es Sinn mache eher früher zu transportieren und die Patienten damit einer extrakorporalen Zirkulation zuzuführen, bleiben aber Daten über deren Erfolg im genannten Setting schuldig.

Die mittlere Zeit bis zum ersten Schock von 13 Minuten ist für einen urbanen Rettungsdienst eine Katastrophe. Zeiten um und  unter 8 Minuten sind für urbane Gebiete beschrieben und zu fordern.

Auch der geringe Anteil der Patienten mit beobachtetem Kammerflimmern von nur 7,9% lässt auf eklatante strukturelle Probleme in der präklinischen Versorgung einer japanischen Großstadt schließen. In der Regel sind rund 30% zu erwarten. Der Umstand, dass die Hälfte der beobachteten Fälle mit Kammerflimmern durch Umstehende reanimiert wurden (ein relativ hoher Wert für Japan) lässt die gesamte Studie eher als Plädoyer für eine Bystander-Reanimation durch verbesserte Ausbildung und Motivation der Bevölkerung, den Aufbau eines Netzes aus öffentlich zugänglichen AEDs und einer strukturellen Verbesserung des Rettungsdienstes erscheinen.

Amiodaron wurde von der Arbeitsgruppe, unter Ignoranz den Leitlinien gegenüber, erst ab September 2012 eingesetzt.

 

Fazit:

Wenn man eine ECMO oder Herz-Lungen-Maschine um die Ecke hat, dann kann man schon mal zügig losfahren. Ob das hilft, wissen wir nach diesem Artikel zwar nicht, aber wir können erahnen: Prüfen! Rufen! Drücken! eine gut ausgebautes Frühdefibrillationssystem und ein zügiges Eintreffen von Helfern macht sich auch im internationalen Vergleich gut. Die einfachen Dinge eben Zwinkerndes Smiley

Ansonsten – Inemuri (居眠り)

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