Intensivmedizin

Ernährung des kritisch Kranken – Zurück zum Katheter?

Written by md

Spätestens seit der EPaNIC-Studie, in der selbst additive frühe parentrale Ernährung als Gefährdung des Patienten gebrandmarkt wurde, war der ZVK als Ernährungshilfe out. Quatsch, sagen die CALORIES-Autorencalories 7
Trial of the Route of Early Nutritional Support in Critically Ill Adults
N Engl J Med 2014; 371:1673-1684

Insbesondere in der frühen Phase einer kritischen Erkrankung kommt es häufig zu einer Kalorienunterversorgung. Eine frühe Ernährung, orientiert an der Stoffwechselkapazität des Patienten, verbessert das Überleben, konnte aber, wenn parenteral zugeführt, in der EPaNIC-Studie die Inzidenz an Infektionen erhöhen.

Die Autoren um Sheila Harvey und Kathryn Rowan stehen für die Studiengruppe des britischen Intensive Care National Audit and Research Centre (ICNARC), einem unabhängigen Institut zur Qualitätssicherung in der Intensivmedizin, das insbesondere Audit-Programme landesweite, industrieunabhängige Forschung betreibt.

In der durch das United Kingdom National Institute of Health Research finanzierten CALORIES Studie (Name, kein Akronym) wurden 2400 Patienten in 33 englischen Intensivstationen entweder einer frühen enteralen oder parentralen Ernährung zugeordnet, die innerhalb 36h nach Aufnahme begonnen wurde. Interventionszeitraum waren 5 Tage.

Einschlusskriterien:

  • älter als 18 Jahre
  • ungeplante Intensiv-Aufnahme
  • nicht orale Kostaufnahme / „künstliche Ernährung“ für mind. 2 Tage zu erwarten
  • keine geplante Verlegung innerhalb von 3 Tagen

Ausschlusskriterien:

  • Einschluss nach mehr als 36 Stunden auf der Intensivstation
  • vorangegangene Teilnahme an der Studie (erneuter Intensivaufenthalt)
  • bestehende Kontraindikationen für einen der beiden Ernährungswege
  • „künstliche Ernährung“ innerhalb der letzten 7 Tage (egal welcher Weg)
  • bestehende perkutane Gastro- oder Jejunostomie oder nasojejunale Sonde
  • Verbrennungs-Patienten
  • Palliativ-Patienten
  • geplanter Aufenthalt in Großbritannien < 6 Monate (follow-up Studie geplant)
  • Schwangere

Insgesamt wurden 11.108 Patienten gescreent

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In den Patientencharakteristiken wird deutlich, das hauptsächlich internistische Patienten eingeschlossen wurden (2059/2388, 86%)

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In den Verläufen unterschieden sich die Patienten hauptsächlich im gastralen Restvolumen, das, erwartungsgemäß, bei der enteral ernährten Gruppe bei 985ml (+/-1312ml) lag. Das Kalorienziel wurde für die parenterale Gruppe deutlich früher erreicht, lag aber für beide Gruppen bei nur rund 40%

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Ergebnis:

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Keine Unterschiede in der Sterblichkeit und, anders als noch bei EPaNIC, keine Unterschiede in den infektiösen Komplikationen. Dafür mehr Hypoglykämien und mehr Regurgitation im Rahmen der enteralen Ernährung.

In der direkten Folge wurden nahezu alle Patienten auf enterale Ernährung überführt.

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Fazit:

Die partenterale Ernährung via ZVK ist der enteralen Zufuhr während der ersten 5 Tage einer kritischen Erkrankung nicht unterlegen.
Wenn eine frühe enterale Ernährung nicht oder nur schlecht möglich ist, ist eine parenterale Zufuhr nicht kategorisch abzulehnen.

 

P.S.:

Den konnte ich mir dann doch nicht verkneifen

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