Anästhesie Intensivmedizin

Kurz vorgestellt: Verdacht auf virale Gastroenteritis verbessert die Handhygiene

Written by md

Die Angst reicht. Die Angst, das Wochenende selber unpässlich über der Schüssel verkrümmt zu verbringen. Prompt erhöht sich die Compliance Rate der Händedesinfektion.
Suspicion of viral gastroenteritis does improve compliance with hand hygiene
Infection (2011) 39:359–362

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Schon beim Händeschütteln haben wir daruaf hin gewiesen: Die Konsequenz in der Händehygiene ist wechselnd. Wird auf dem OP-Flur jemand ohne Kopfbedeckung erwischt, eine Maßnahme die jenseits eines reinen Gruppeneffektes jeglicher hygienischer Grundlage entbiert, so ist mit standrechtlicher Erschießung durch die leitende OP Schwester zu rechnen. Ein Anästhesist in Straßenschuhen (wenn auch fernab des Sterilbereiches, es sei denn der Kollege sieht sich genötigt, seine Füße für die Trendelenburg-Position zur Vermeidung eines oscitations-bedingten Blutdruckabfalls auf den OP-Tisch abzulegen). In Straßenschuhen! Da reicht das Standrecht nicht mehr.

Jedoch sich selbst, die Kolleginnen und Kollegen, Patienten, Henkel, Griffe, Tastaturen, Spritzen, Brillen dank fehlender Händehygiene zu einer mikrobiologischen Einheit zu verschmelzen ist ein wenig sichtbares, ein heimliches Verbrechen.

Wir haben weder Nachweise dafür, dass industrielle Reinigung von Krankenhaustextilien mehr Keime tötet, als die normale Wachmaschine, noch das unsere teuere „Laminar-Flow“ Klimaanlage auch nur eine einzige Infektion verhindert. Wir wissen aber sehr genau, dass die Handhygiene nicht funktioniert, und wir wissen, dass Programme die die Handhygiene verbessern mit sinkenden Infektionsraten einhergehen.

Scheithauer et al. zeigen das Potential auf, das noch in möglichen Programmen zur Händehygiene steckt.

Sie verglichen die Häufigkeit der Handhygiene bei Patienten (Kindern) mit und ohne einen Verdacht auf virale Gastroenteritis.

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und das Potential ist, insbesondere auf der ärztlichen Seite, gewaltig.

Die 5 Zeitpunkte der Händehygiene:

  1. Vor direktem Kontak
  2. Vor aspetischen Tätigkeiten
  3. Nach dem Kontakt mit potentiell kontaminiertem Material
  4. Nach dem direkten Patientenkontakt
  5. Nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung

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Insbesondere in den „nach“ Kategorien steigt die Kompliance ganz erheblich. Wahrscheinlich um den nächsten Patienten vor den gefährlichen Erregern zu schützen.

 

Fazit:

Händehygiene ist der langweilige, disziplinbasierte Anteil des Schutzes unserer Patienten. Wir sollten uns nicht um die Früchte unserer Arbeit bringen lassenn und nicht das Leben derer riskieren, die von uns versorgt werden, weil wir es beschwerlich finden das Einfache immer wieder zu tun. Und es ist, wie so vieles, ganz einfach. Seid langweilig! Schützt Eure Patienten!

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