Intensivmedizin

Kurz vorgestellt: Procalcitonin als Marker intestinaler Ischämien

Written by md

Minderdurchblutungen des Darmes sind nach abdominal- wie kardiochirurgischen Eingriffen keine Seltenheit. Ihre Diagnose ist jedoch, sieht man von einem abdominellen Compartement-Syndrom als Ursache ab, teils äußerst schwierig. Procalcitonin bietet sich als Marker an.

 

Procalcitonin and intestinal ischemia: A review of the literature

World J Gastroenterol 2014 December 21; 20(47): 17773-17778

 

Die Frühsymptome einer Ischämie sind mit Schmerzen und instestinaler Paraylse insbesondere bei postoperativen Patienten häufig unspezifische. Auch ist das klassische Bild aus Leukocytose, Anstieg von D-Diemeren und Laktat und vor allem metabolische Azidose nur selten vollständig, und selbst dann nicht nur auf eine Ischämie hinweisend.

Der Goldstandard der Bildgebung wiederum, die mesenteriale Angiographie, ist belastend, zeitaufwändig und insbesondere in Anbetracht des Kontrastmitteleintrages bei ggf. schon vorgeschädigter Nierenfunktion nichts, das mal einfach auf Verdacht angeordnet werden sollte. Auch die CT-Angiographie bietet sich diesbezüglich nur bedingt an. Hieraus erwächst der Wunsch, nach weiteren laborchemischen Indikatoren, die ohne große Belastung des Patienten erhoben werden können.

Besonderes Interesse galt bisher insbesondere I-FABP (intestinal fatty acid binding protein), GST (alpha-glutathione S transferase) und D-lactate (aus den Darmbakterien).

Procalcitonin (PCT) ist das 116-Aminosäure Prohormon des Calcitonins und wird aus Zellen außerhalb der Schilddrüse bei Trauma und schwerer Sepsis ausgeschüttet. Insbesondere beim stumpfen Bauchtrauma.

Die französische Arbeitsgruppe um Regimbeau hat nun bestehende Daten für PCT bei intestinaler Ischämie zusammengeführt.

Jenseits zweier Studien am Rattenmodell identifizierten sie 5 Arbeiten zu diesem Thema mit insgesamt 659 eingeschlossenen Patienten. Leider unterlassen sie es, die angegebenen Daten zu Sensitivität, Spezifität, sowie positiv wie negativ prädiktivem Wert zusammenzufassen und geben lediglich die Grenzen an.

PCTisch1

Die demnach niedrigste Sensitivität läge bei 72%, der niedrigste positiv prädiktive Wert bei 40%. Die Fläche unter der ROC-Kurve, als Maß der Testqualität, wird zwischen 0,77 und 0,92 angegeben.

Das klingt zunächst wenig hoffnungsfroh. Zieht man hierfür  aber den Vergleich mit den oben genannten Markern heran schlägt sich das PCT nicht schlecht.

I-FABP, das zügig über die Niere aus dem Blut eliminiert und deshalb als Urinwert untersucht wird kommt im verlnkten Review auf 0,78, alpha-GST auf 0,87, D-Dimere auf grade mal 0,53 und D-Laktat auf 0,86.

PCTisch2

Sicher die Bewertbarkeit einschränkend ist, dass von den 5 Untersuchungen gleich 3 durch die  Arbeitsgruppe, die nun auch das Review präsentiert durchgeführt wurden. Die von Ihnen erarbeiteten Ergebnisse liegen zwar den gesamten Bereich übergreifend und können, da nicht durchgeführt, auch keine Datensynthese verzerren. In der Bewertung haben wir es aber mit „Glaubenstätern“ zu tun, die den Aufwand eines echten systematischen Reviews scheuten.

 

Fazit:

Ein postoperativer Procalcitonin-Anstieg, der durch Darmatonie/-paralyse begleitet wird und ggf. mit einer Azidose, D-Dimer und Leukozyten Anstieg einher geht, sollte eine intensivere Diagnostik zur intestinalen Durchblutungssituation nach sich ziehen.

Oder kürzer: Wenn man das PCT hat, kann man ruhig mal die Augen auf halten 🙂

 

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