Kurz vorgestellt: ALS vs. BLS, weniger ist mehr

Advanced Life Support (ALS), der gegenüber der Basic-Variante (BLS) jenseits von AED und Maskenbeatmung auch eine Atemwegssicherung und Medikamentengabe umfasst, verbessert nicht das Überleben von Reanimationspatienten. Das urteilt eine Bostoner Gruppe aus einer „Big-Data“ Analyse von Krankenkassendaten.


Outcomes After Out-of-Hospital Cardiac Arrest Treated by Basic vs Advanced Life Support

JAMA Intern Med. Nov 2014 doi:10.1001

Sanghavi und Co-Autoren analysierten insgesamt etwas über 4.000.000 Datensätze aus US-Amerikanischen Rettungsdiensteinsätzen, die Medicare in Rechnung gestellt worden waren. Nach Selektion der Einsätze mit präklinischem Kreislaufstillstand und Bereinigung der Daten um (Poly)traumata, Einsätze in ländlichen Regionen und denen, die nicht klar nach ALS und BLS unterschieden werden konnten.Übrig blieben 31292 ALS- und 1643 BLS-Einsätze aus den Jahren 2009 bis 2011.Die Ergebnisse:

Oder, wie die Autoren es ausdrücken:

Jedes Jahr würden in den Vereinigten Statten rund 1500 Medicare Versicherte mehr ihren Kreislaufstillstand überleben (und dies mit besserem Outcome) wenn sie von einem BLS-Team versorgt würden.

3 Mechanismen werden von den Autoren als mögliche Ursachen diskutiert:

  1. Eine weitergehende Atemwegssicherung, insbesondere die Endotracheale Intubation ist eine Patientengefährdung für sich und hat sich auch in anderen Untersuchungen schon als negativer Prädiktor für das Überleben bewiesen (Hasegawa 2013, Hanif 2010).
  2. Die Wirkung der Medikamentengabe in der Reanimation ist sowohl für Adrenalin, als auch Amiodaron nicht oder nur unsicher belegt.
  3. Durch die längere Dauer der Versorgung am Notfallort werden innerklinische lebensrettende Maßnahmen und Diagnostik, wie z.B. ein Herzkatheter, hinausgezögert.
Diese Daten sind weder unerwartet noch ohne Vorgänger. Stiell et al, zeigten schon 2004, dass das Hinzufügen von fortgeschrittenen Maßnahmen keine Überlebensverbesserung erbrachte.
Fazit:
So sehr wir es uns wünschen, wir sind keine Helden und vieles das wir tun, tun wir aus Glauben und dem Versuch Gutes zu tun. Das Gegenteil von „Gut“ ist jedoch nicht „schlecht“, sondern „gut gemeint“. Wollen wir der Bevölkerung in der Breite helfen, brauchen wir vielleicht nicht mehr Krankenhaus auf der Straße, sondern eine solide Basis und einen zügigen Transport. Wir brauchen Programme wie die Woche der Wiederbelebung, um die Rate an Ersthelfern, die mit Herzdruckmassage beginnen zu erhöhen. Wir brauchen die Ausbildung des Leitstellenpersonals in der Durchführung der Telefonreanimation und wir brauchen innovative Konzepte um AEDs auch in der Breite verfügbar zu machen und so die Zeit bis zum ersten Schock zu verkürzen. Die Idee fällt uns nicht schwer, ein CT zum Patienten zu bringen. Warum gelingen aber die einfachen Dinge so selten?