Kurz vorgestellt: Ein SMS gestütztes Ersthelfer-System verkürzt die Zeit bis zum ersten Schock

In Süddeutschland heißen sie First-Responder, in NRW “Notfallhelfer” oder “Helfer-vor-Ort”. In den Niederlanden reduziert ein solches System mithilfe von Textnachrichten die Zeit bis zum ersten Schock um rund 2 Minuten.

Local lay rescuers with AEDs, alerted by text messages, contribute to early defibrillation in a Dutch out-of-hospital cardiac arrest dispatch
system.

Resuscitation 85 (2014) 1444–1449, http://dx.doi.org/10.1016/j.resuscitation.2014.07.020

 

Personen mit abgeschlossenem BLS (oder ALS) Training im Raum Nord-Holland, insbesondere Amsterdam, lassen sich in eine Datenbank aufnehmen, in der sie auch tageszeitliche Aufenthaltsorte hinterlegen. Ebenso werden gemeldete Standorte von AEDs eingepflegt.

Wird eine Reanimation gemeldet, alarmiert ein Rechnersystem umliegende Ersthelfer im Umkreis von 1km entweder direkt an den Ort des Geschehens, oder zunächst zu einem AED und dann dorthin.

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Binnen 42 Monaten kamen 2880 Alarme zusammen.

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Bei rund 1500 Indikationen aktivierte die Leitstelle das Ersthelfer-System in rund der Hälfte der Fälle.

In 184 von den 893 Alarmen wurde der AED angeschlossen. In 76 Fällen davon bestand ein defibrillationswürdiger Rhythmus.

Die mittlere Verkürzung bis zum Schock wurde von den Autoren mit 2:39 angegeben.

 

Auffällig ist:

In fast einem Drittel aller Fälle waren First-Responder aus der Umgebung (auch Polizei o.ä.) noch vor den per Textnachricht alarmierten Helfern vor Ort.

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Nochmal: Ein Drittel aller Defibrillationen wurden durch nicht alarmierte Ersthelfer ausgeführt. Habt ihr so etwas in good old Germany überhaupt schon mal erlebt?

Dies, und die untersuchte Region Nord-Holland mit einer Bevölkerungsdichte von 1026 Einw. pro km² (zum Vergleich: NRW 515 Einwohner pro km²) zeigen den reinen Bezug auf eng besiedelte Räume.

Dennoch wurde in nur 18,7% der Fälle der erste Schock in weniger als 6 Minuten abgegeben.  Einerseits ein Erfolg, andererseits fatal, sinkt doch mit jeder Minute die Überlebenswahrscheinlichkeit.

 

Heimatbezug:

Das mit Erlass vom 06.04.2005 in Nordrhein-Westfalen etablierte Notfallhelfer System arbeitet je nach Gebietskörperschaft ähnlich. Zumeist sind die, nicht Hilfsfrist-relevanten, Notfallhelffer oder Helfer-vor-Ort mit digiatalen Meldempfängern ausgestattet, vereinzelt aber auch mit ähnlichen Textnachrichtensystemen.

Ausstattung und Ausbildung sind an die Hilfsorganisationen und Feuerwehren delegiert, die auch die jährliche Fortbildung überwachen und durchführen. Insbesondere im ländlichen Raum soll so die Zeit bis zum Start lebensrettender Maßnahmen verkürzt werden.

Im Kreis Gütersloh geht man noch einen Schritt weiter:

Mit der App „Mobile Retter„, entwickelt von Dr. Ralf Stroop. Der ÄLRD Bernd Strickmman hatte sich mit dafür stark gemacht. Die Leitstelle löst einen Alarm via App aus, die dann feststellt, ob sich das Smartphone (der Retter) in Reichweite befindet und Hilfe leisten kann

 

Fazit:

Die Zeit bis zum Beginn lebensrettender Maßnahmen ist entscheidend für den Reanimationserfolg. Ersthelfersysteme können diese Zeit verkürzen.