Notfallmedizin

Material & Methoden: Blutung stoppen mit REBOA

Written by md

Die BBC berichtet über die Anwendung eines Ballons zum Verschluss der Aorta bei der kritischen traumatischen Blutung (Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta, REBOA) auf dem RTH der London Air Ambulance. Wie geht das und wem hilft das?  (Dank an die Website der AGNNW)

Wenn es unten unstillbar blutet, verschließt man oberhalb davon die Schlagader. Diese einfache Maßnahme ist im Falle des Tourniquets schnell getan. Was aber, wenn die Blutungsquelle in Becken oder Bauchhöhle liegt?

Durch das Vorschieben und eröffnen eines Katheters.

REBOAfine

Ein solches Verfahren wurde erstmals im Jahr 1953 sowohl durch Edwards et al. und Burch et al. vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus dem Korea-Krieg beschrieben.

Erneut ist es ein Krieg und die erschütternden Verletzungen und massiven Verluste durch Sprengfallen (Booby-traps), die diese Technik befördern. Der Irak-Krieg, später dann der Einsatz in Afghanistan.

Nach tierexperimentellen Vorarbeiten veröffentlicht die Arbeitsgruppe von Todd Rasmussen vom US Army Institute of Surgical Research einen Artikel im Journal of Trauma, in dem sie die 5-Schritte der REBOA Anwendung beschreiben.

  1. Arterieller Zugang und Schleuse
  2. Auswahl des Ballons und Plazierung
  3. Entfalten des Ballons
  4. Entlüften des Ballons
  5. Entfernung von Ballon und Schleuse

 

Die Autoren empfehlen den femoralen Zugang.

REBOAfem

Je nach angenommener Blutungsquelle wird durch äußeres Anmessen ein aortaler Zielbereich für den Katheter bestimmt.

REBOAaort

Zone 1 wird zum Xiphoid bemessen, Zone 3 bis knapp über den Nabel.

Nach Platzierung wird der Ballon entfaltet und die distal davon gelegene Blutung somit zum Stillstand gebracht, auch unter Inkaufnahme des Verschlusses der nicht betroffenen Strombahnen (Niere, Darm, Leber). Schließlich geht es um das gezielte Stoppen einer lebensbedrohenden Blutung.

Aber ist denn das überhaupt so häufig?

Morrison, Rasmussen et al. stellten im Mai dieses Jahres Zahlen der britischen Streitkräfte vor. Alle im UK Joint Theatre Trauma Registry (JTTR) erfassten Schwerverletzten von August 2002 bis Juli 2012 an den Kriegsschauplätzen Irak und Afghanistan wurden auf die Möglichkeit der Anwendung einer REBOA überprüft. Kontraindikationen für die Anwendung waren mediastinale, cervicale und axilläre lebensbedrohliche Blutungen. Von insgesamt 1317 Schwerstverletzten hatten  244 (18.5%)eine Indikation und 148 (11.2%) eine Kontraindikation (925 (70.2%) keine Indikation). Von den 244 mit Indikation verstarben 174, davon 79 am Ort der Verletzung, 66 auf dem Weg ins Krankenhaus und 29 dort. Die Autoren empfehlen dem Militär die dringende Anwensungsevaluation.

 

Dieses Wissen wurde von Rasmussen selbst schon vorher in den zivilen Bereich übertragen. Eine Fallserie von Brenner et al. vom R. Adams Cowley Shock Trauma Center aus Baltimore, Maryland und Huston, Texas zeigt für stumpfe (Verkehrsunfälle) und penetrierende (Schußwunden) Verletzungen des Becken und Abdomens eine erfolgreiche Blutstillung.

Scott Weingart stellt die Arbeitsgruppe und die Methode in einem EMCrit Podcast vor. Glenn Paetow fasst in seinem HQMedEd-Blog ebenfalls die bisherigen Erkenntnisse zusammen.

 

In London nun wird REBOA vor die Tür geflogen.

 

Fazit:

Sicherlich eine Intervention, die Erfahrung und gefäßchirurgisches Geschick verlangt. Nach TourniquetHämostyptika und vielen anderen Interventionen macht sich aber erneut eine interessante Entwicklung aus dem militärischen Traumaszenario auf den Weg ins Zivilleben.

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