Kurz vorgestellt: Drücken wir bei der Reanimation zu tief?

Nachdem wir uns im August bereits mit der idealen Kompressionsfrequenz bei der Reanimation beschäftigt haben wollen wir diesmal einen Blick auf die Kompressionstiefe werfen. Eine aktuelle Untersuchung ist dem Zusammenhang zwischen Kompressionstiefe und Überleben nachgegangen und wirft die Frage auf, ob wir nicht sogar schon zu tief drücken.

What Is the Optimal Chest Compression Depth During Out-of-Hospital Cardiac Arrest Resuscitation of Adult Patients?
Circulation. 2014 Nov 25;130(22):1962-70. PMID: 25252721

„Push hard and fast“ – so wird die 2010er Leitlinie des European Resuscitation Councils für den Basic Life Support oftmals simple zusammengefasst. In den letzten Jahrzehnten wurden die Leitlinien ständig an den aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst. Und so wurde auch 2010 der Trend zu schneller und tiefer weiter fortgesetzt und liegt aktuell für die Kompressionsfrequenz bei 100-120/min und für die Kompressionstiefe bei 50-60mm. Idris und Kollegen konnten bereits zeigen, dass einen Kompressionsfrequenz von 125/min wohl den aktuellen 100-120/min hinsichtlich des Überlebens überlegen ist (PMID: 22623717). Aber wie sieht es mit der Kompressionstiefe aus?
Eine Forschungsgruppe um Ian Stiell ist genau dieser Frage nachgegangen und untersuchte insgesamt 9136 Reanimationen. Das mittlere Alter der Patienten lag bei 67,5 Jahren und die mittlere Kompressionstiefe bei 41,9mm (trotz Vorgabe der Leitlinie von 50-60mm!). Ingesamt konnten 31,3% der Patienten primär wiederbelebt werden. Dennoch lag die Rate der Krankenhausentlassungen nur bei 7,3%. Das beste Outcome zeigten Patienten mit Kompressionstiefen zwischen 40,3 und 55,3mm, wobei das Maximum bei 45,6mm lag.
Fazit:
Die aktuell vorliegende Studie könnte ein erster Hinweis darauf sein, dass die empfohlene Kompressionstiefe in den (noch) aktuellen Leitlinien (50-60mm) möglicherweise zu hoch ist. Wir sind gespannt auf die kommenden Leitlinien 2015…
Unser Tip für 2015:
Kompressionsrate: 125/min
Kompressionstiefe: 45mm

2 Gedanken zu „Kurz vorgestellt: Drücken wir bei der Reanimation zu tief?

  • 2014-11-28 um 21:07
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    Kann das wahr sein?
    Es kann, auch wenn man bedenkt, dass z.B.
    Vadeboncoeur et. al , Sutton et. al und Stiell et. al selbst klare Überlebensvorteile der Drucktiefe belegt haben.
    Schaut man genau hin ( Überleben gegen Drucktiefe ), dann ist erkennbar, dass Stiell solche Drucktiefen wie bei seiner 2. Arbeit in der ersten von vor 2 Jahren nicht darstellen kann. Die Grafiken ähneln sich jedoch augenfällig.
    Es gibt ein Optimum um die 5 cm.
    In der Regel wird weiterhin nicht tief genug gedrückt.
    Nur Übertreiben… ok, das sollte man dann vielleicht nicht. 6cm ist so schlecht wie 4cm, nur 3 ist schlechter…

  • 2014-12-01 um 12:47
    Permalink

    Und genau so habe ich auch die ERC-Guidelines aus 2010 verstanden:
    Es wurde zumeist und im Mittel immer noch nicht tief genug gfedrückt, weshalb mit der beherzten Vorgabe nach oben ein bisschen Mut gemacht werden sollte.

    Die Forschungsgruppe um Ian Stiell dokumentiert für 2014 immer noch eine mittlere Drucktiefe von 41,9mm. Damit erreichen Sie ja endlich den oberen Grenzwert der Guidelines aus 2005 – Wahnsinn!

    Eine gute CPR ist eben nicht mit mal eben ein bisschen drauf rumdrücken getan.

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