Anästhesie Shit, that happens...

Kurz vorgestellt: Effekte des Antagonisierens mit Neostigmin

Written by md

Achtung! Thema für Hardcore-Anästhesisten (das A in WAIN’S 😉 )

Neostigmin um eine (etwaige) Restrelaxierung aufzuheben verfehlt sein Ziel und kann nicht nur unnötige Kosten, sondern vielleicht sogar Schaden verursachen.

Effects of Neostigmine Reversal of Nondepolarizing Neuromuscular Blocking Agents on Postoperative Respiratory Outcomes. Sasaki et al. Anesthesiology 2014; 121:959-68

Hand aufs Herz: Wer „eicht“ denn nach Hypnose sein Relaxometer mit Accelometrie auf eine supramaximale Stromstärke? Und wer klebt den Beschleuniger denn auf? Und wer testet denn zumindest den DBS (Double-Burst-Stimulation) und hält sich nicht nur am 4/4 TOF (Train-of-Four) fest? Jedesmal?

Klar ist, die Verwendung von Relaxantien erhöht das Risiko für postoperative respiratorische Komplikationen. Die Anwendung von Neostigmin verbessert aber das Outcome nicht.

Die Autoren der hier vorgestellten Untersuchung untersuchten 3000 Patienten prospektiv auf die Verwendung von Neostigmine nach neuromuskulärer Blockade im Kontext von verwendetem Relaxans und Durchführung eines neuromuskulären Monitorings. Im Aufwachraum wurden Sättigung und Suaerstoffzufuhr, sowie eine TOF-Ratio (Maß für eine noch bestehende Restrelaxierung), sowie die Aufenthaltsdauer bestimmt. Zusätzlich wurden Mortalität und postoperative pulmonale Komplikationen nach 30 Tagen aus dem Krankenhausdatensatz erfasst.

Primärer Outcome-Parameter war der SpO2/FiO2 Quotient, sekundäre Endpunkte die postoperative Rate an Atelektasen und anderern pulmonalen Komplikationen, sowie die Krankenhausaufenthaltsdauer.

Ergebnis:

Es gab keinen Unterschied im SpO2/FiO2 Quotienten, in der Rate an Pneumonien, der Dauer des Krankenhausaufenthaltes, der Dauer des Aufenthalts im Aufwachraum oder der Mortalität (kein Nachweis einer Wirksamkeit).

neo

Normale Dosen an Neostigmin erhöhten die Atelektasenrate. Hohe Dosen an Neostigmin (>60µg/kg, eg. >4,8mg bei 80kgKG) führten zu verlängerten Aufwachraumzeiten, einem massiven Anstieg der Atelektasenrate und zu einem verlängerten Krankenhausaufenthalt.

Wenn Neostigmin verwendet wurde, ohne neuromuskuläres Monitoring („Na, Antagonisieren wir halt mal zur Sicherheit…“) stieg die Häufigkeit von Lungenödemen und Re-Intubationen an.

Diese Daten stehen zunächst im Gegensatz zu skandinavischen Untersuchungen, in deren größter Beobachtung ein protektiver Effekt von Neostigmin dargestellt werden konnte.

 

Fazit:

Antagonisieren allein macht noch keinen Frühling. So wie es die DGAI empfiehlt sollte eine Relaxometrie verfügbar sein und spätestens zum Einsatz kommen, wenn ein Antagonisieren erwogen wird. Ein „allgemein-wohltuender“ Effekt existiert nicht.

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