Zusammenhang zwischen Fieber und Überleben bei Intensivpatienten

Association of body temperature and antipyretic treatments with mortality of critically ill patients with and without sepsis: multi-centered prospective observational study Crit Care. 2012 Feb 28

Fieber ist ein häufiges Symptom. Je nach Berufsgruppe, Fachrichtung und parental-Status (ein Kind oder mehrere, intensives „Helikoptertum“ oder eher „rauseitern-lassen“) wird es mit Ignoranz, Paracetamol, Metamizol, Amoxicillin, Cephuroxim, Vancomycin und/oder Echinocandinen beantwortet. Genannte Aufzählung dabei in aufsteigeneder Häufigkeit. Aber macht das irgendeinen Sinn?

Immerhin ist die Sorge, die sich bei besonders hohem Fieber einstellt durchaus begründet. Barie et el. oder auch Kiekkas et al., ebenso wie der hier vorgerstellte Artikel von Lee haben dargestellt, dass hohes Fieber ein Prädiktor für eine erhöhte Sterblichkeit ist.

Die begründete Frage sollte aber sein: Ist Fieber für mich ein Warnsymptom oder eine behandlungspflichtige Diagnose. Oder anders: Wenn ich Schimmel an der Wand sehe, hilft es dann die Wand zu streichen?

In 25 Krankenhäusern in Korea und Japan wurden in den Monaten September bis November 2009 alle Patienten in die Studie eingeschlossen, die mindestens 48h auf der jeweiligen Intensivstation verbrachten. Patienten nach Reanimation, nach Kraniotomie, mit Schädl-Hirn Trauma, Infektionen des Zentralnervensystems, sowie intracerebralen Blutungen oder Schlaganfällen wurden ausgeschlossen. 1425 Patienten wurden so in die Untersuchung eingeschlossen, die zusätzlich in die Kohorten „septisch“ oder „nicht-septisch“ eingeteilt wurden (SIRS+nachgewiesene Infektion in den ersten 24h).

Betrachtet wurde die höchste registrierte Körpertemperatur, sowie die Gabe von Antipyretika (NSAIDs oder Paracetamol) oder aktiver Kühlung.

Nicht erstaunt, dass für nicht-septische Patienten die Sterblichkeit bei hohem Fieber erhöht war. Beachtlich ist, dass dies nicht für septische Patienten galt. (Fast) egal wie hoch deren Fieber stieg, die beobachtete Sterblichkeit schwankte nur gering.

Anders für fiebersenkende Medikamente: Während Kühlung keinen Einfluss auf die Sterblichkeitsrate hatte (OR 1,2, CI 0,7 – 2,05), war die Sterblichkeit bei Patienten mit Sepsis, die NSAIDs bekamen rund 2,6 (1,1 bis 6,1) und nach Paracetamol 2-mal (1,19 bis 3,55) so hoch, wie bei den Sepsis Patienten, die man hatte „brennen lassen“. Immerhin 40% der septischen Patienten mit einer Temperatur von 39,5° und mehr hatten kein Antipyretikum erhalten.

 

Fazit:

Fieber zu ignorieren ist borniert.

Fieber in der Sepsis zu senken aber genauso schlau, wie im Schock den Druckabnehmer an eine Wandhalterung zu schrauben und dann das Bett hoch zu fahren, bis der Blutdruck steigt…

 

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