Notfallmedizin

Zusammenhang zwischen Kompressionsrate und Überleben

Written by sb

Relationship between chest compression rates and outcomes from cardiac arrest

Die europäischen Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) zur kardio-pulmonalen Reanimation (CPR) empfehlen, dass Thoraxkompressionen mit einer Frequenz von 100–120/min durchgeführt werden. Bisher ist allerdings nicht eindeutig geklärt, ob und welcher Zusammenhang bei der Reanimation zwischen der Kompressionsfrequenz und dem Behandlungsergebnis besteht.

Das Resuscitation Outcomes Consortium (ROC) ist ein im Jahr 2005 gegründetes US-amerikanisches und kanadisches Netzwerk, das u.a. ein wissenschaftliches Register zum Herz-Kreislaufstillstand und zu schweren traumatischen Verletzungen führt. Die Autoren des ROC haben in einer Studie die Hypothese untersucht, ob zwischen unterschiedlichen Kompressionsraten beim BLS und ALS ein unterschiedlicher Behandlungserfolg resultiert.

Die Autoren des ROC haben für die vorliegende Untersuchung erwachsene Patienten mit einem Alter von mindestens 20 Jahren eingeschlossen, die einen außerklinischen Herz-Kreislaufstillstand (OHCA) hatten. Datengrundlage waren automatische Aufzeichnungen des Überwachungs- bzw. Defibrillator-Monitors bei den Rettungseinsätzen durch Paramedics. Im Zeitraum von Dezember 2005 bis Mai 2007 konnten Ahamed H. Idris und Kollegen insgesamt 3.098 Patienten (mittleres Alter 67±16 Jahre; 8,6 % Überlebensrate bis zur Krankenhausentlassung) einschließen und werteten die Daten danach mittels multipler logistischer Regressionsanalyse aus.

Die mittlere Kompressionsrate betrug bei den Einsätzen 112±19/min und lag damit innerhalb des von den Leitlinien angegebenen Bereichs (100-120/min). Nach statistischer Analyse fanden die Autoren zwischen der Kompressionsfrequenz und dem Behandlungsergebnis eine gute Korrelation, wobei das Optimum hinsichtlich einer primär erfolgreichen Reanimation (ROSC, return of spontaneous circulation) bei 125/min lag (p=0.012; Abb. 1). Sowohl bei einer höheren als auch bei einer niedrigeren Kompressionsfrequenz war die ROSC-Rate jeweils schlechter.

In einer weiteren Analyse versuchten die Autoren die Kompressionsfrequenz mit der Rate bis zur Krankenhausentlassung zu korrelieren, fanden allerdings keinen statistischen Zusammenhang.

Bei der Interpretation dieser Studie für einen klinischen Kontext müssen einige Punkte jedoch kritisch angemerkt werden. Die Kompressionsrate wurde lediglich bei 362 von 3.098 Patienten gemessen (11,7 %). Unglücklicherweise wurde dabei auch keine Kompressionstiefe aufgezeichnet, so dass wichtige Parameter einer suffizienten Reanimation unberücksichtigt blieben. Es ist daher nicht klar, ob die durchgeführten Thoraxkompressionen überhaupt effektiv waren oder sich evtl. in unterschiedlichen Patientengruppen unterschieden. Gleiches trifft für die Dauer der Reanimation zu. Leider war die Datenaufzeichnung auf die ersten 5 Minuten beschränkt, so dass bei manchen Patienten mit langer Reanimation die Qualität großer Teile der Reanimation nicht ausgewertet werden konnte.

Insgesamt zeigt die Untersuchung von Ahamed H. Idris und Kollegen, dass die Kompressionsfrequenz für Reanimationen sich eher im oberen Bereich der Leitlinien befinden sollte. Die Ergebnisse bestätigen also den Trend aus den Leitlinien der letzten Jahre.

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